Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, österreichischer Zweig

Namen und Abkürzungen
IFFF (Abkürzung)
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit in Österreich
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Zweig Deutschösterreich
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Zweig Österreich
WILPF (Abkürzung)
Women's International League for Peace and Freedom (Originalsprache)
Gründung
1920
Auflösung
1938
Sitz
Wien 13, Penzingerstraße 19 oder 100

FunktionärInnen und Mitglieder

Sekretärin

  • Wettstein, Marie

Vizepräsidentin

Vorstandsmitglied

Vernetzung

Historischer Überblick

1915 fand in Den Haag ein internationaler Frauenkongress mit 1126 Delegierten aus zwölf Ländern statt, an dem Frauen aus kriegsführenden und neutralen Staaten teilnahmen. Die Frauen protestierten gegen den Krieg und arbeiteten an Vorschlägen für eine friedliche Lösung. Im Anschluss an die Konferenz bildete sich der Internationale Frauenausschuss für dauernden Frieden mit nationalen Komitees in verschiedenen Ländern. Es entstanden 24 nationale Komitees. 1919 beim Kongress in Zürich nannte sich die Dachorganisation, die bis heute besteht, in Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF, Womens International League for Peace and Freedom) um. Die IFFF entwickelte sich zu einer wichtigen pazifistischen Frauenorganisation der Zwischenkriegszeit. Es waren in erster Linie Frauen des radikaleren Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung, die der Arbeit für den Frieden einen zentralen Stellenwert einräumten und dafür auch mit Sozialistinnen und Kommunistinnen zusammenarbeiteten.

Beim IFFF-Kongress in Zürich waren vier österreichische Delegierte anwesend: Leopoldine Kulka, Helene Scheu-Riesz, Yella Hertzka und Elsa Beer-Angerer. Im selben Jahr erschien in Wien ein Flugblatt der Frauen-Internationale für Frieden und Freiheit, das Leopoldine Kulka als Redakteurin ausweist. Mit dem Tod von Leopoldine Kulka 1920 ging der österreichischen Frauenfriedensbewegung eine wichtige Aktivistin verloren. Ebenfalls 1920 bildete sich eine österreichische Sektion der IFFF. Gisela Urban berichtet, dass "der österreichische Zweig unter dem Vorsitz von Yella Hertzka aus der Friedenssektion des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins hervorgegangen ist". Zweck laut Statuten war es ".... die Frauen Österreichs mit denen aller Länder zur Arbeit für die Erhaltung des Friedens, der Bekämpfung des Krieges und der Verbreitung der Ideen der Völkerverständigung, der nationalen und sozialen Gerechtigkeit zusammenzuschließen."

1921 wurde der dritte Kongress der IFFF in Wien abgehalten, bei dem cirka 400 Delegierte anwesend waren. Seitdem, berichtet Olga Misař, waren mehrere Gruppen in Wien tätig - eine politische, eine soziale Gruppe sowie eine zu Problemen der Arbeiterinnen - und haben sich selbständige Ortsgruppen in Graz, Salzburg und Innsbruck gebildet. Auch der österreichische Zweig bestand mehrheitlich aus Frauen, die dem radikaleren Flügel der Frauenbewegung zuzurechnen waren. Laut Corinna Oesch kam es 1922 zur Spaltung in zwei Wiener Gruppen - eine soziale und eine politische - aufgrund von internen Konflikten. Eventuell waren Yella Hertzkas und Olga Misařs Ablehnung eines Anschluss Österreichs an Deutschland Grund für diese Spaltung. In den 1930er Jahren wurde Erziehung zu einem wichtigen Zweig. Vor allem ab 1934 sicherte eine Hinwendung zu kulturellen und „unpolitischen“ Aktivitäten den Fortbestand im autoritären Ständestaat. 1938 erfolgte die Auflösung durch das nationalsozialistische Regime.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich zwei Organisationen in Österreich, die die Nachfolge der IFFF beanspruchten. Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit Gruppe Yella Hertzka existierte bis 1955 und die Sektion Österreich der IFFF bis 1980.

Malleier: Jüdische Frauen in der Wiener bürgerlichen Frauenbewegung 1890 - 1938, 105-110
Misar: Die Frauen und der Frieden. - In: Neue Freie Presse, Nr. 22400, 25.01.1927
Niederkofler: "Mehrheit verpflichtet!", 34-37
Oesch: Yella Hertzka (1873 - 1948)
Statuten der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Österreich
Urban: Die Entwicklung der Österreichischen Frauenbewegung. - In: Frauenbewegung, Frauenbildung und Frauenarbeit in Österreich, 59

Lydia Jammernegg

Publikationen

Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, österreichischer Zweig: Fünfzehn Jahre Frauenliga : Tätigkeit und Organisation der internationalen Frauenliga für Friede und Freiheit 1915-1930 / - Wien: J. Steinmann, 1930
WBR A 77983
Die Frauen-Internationale für Frieden und Freiheit / Herausgegeben von der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (Zweig Deutschösterreich) - Wien: Otto Maass' Söhne, 1919
Online Zugriff / ÖNB 532276-C.Neu
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit in Österreich: Statuten der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Österreich / - Wien: Reisser, o.J.
Online Zugriff / ÖNB 535596-B.Neu
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, österreichischer Zweig: Tagesordnung des Dritten Kongresses der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit : Wien 10.-16. Juli 1921 / - Wien: Frisch & Co., 1921
Online Zugriff / ÖNB 543457-B.Neu

Quellen und Sekundärliteratur

Baer, Gertrud : Die internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - In: Die Frau und ihre Interessen / Verantwortliche Schriftleitung: Helene Wagner , Nr. 8 , 1928
Online Zugriff / ÖNB 609159-C.Neu-Per
Bernold, Monika : A private eye on feminist agency: reflections on self-documentation, biography, and political consciousness - In: Women's studies international forum , Nr. 2 , 1999 , 237-247
ÖNB 1383022-C.Neu-Per
Dritter Internationaler Frauenkongreß : sechster Verhandlungstag - In: Neue Freie Presse , Nr. 20432 , 17. Juli 1921 , 10
Online Zugriff / ÖNB 393928-D.Neu
G. M., A. : Die österreichische Sektion der Internationalen Frauenliga - In: Die Frau und ihre Interessen / Verantwortliche Schriftleitung: Helene Wagner , Nr. 9 , 1930
Online Zugriff / ÖNB 609159-C.Neu-Per
Heller, Lotte : Rosa Mayreder : eine Wiener Führerin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit - In: Neue Freie Presse , Nr. 20423 , 8. Juli 1921 , 8
Online Zugriff / ÖNB 393928-D.Neu
Der Internationale Frauenkongreß für Frieden und Freiheit - In: Arbeiterinnen-Zeitung / hrsg. von Rudolf Pokorny u. Viktor Adler; ab 1893,1: Viktoria Kofler; ab 1894,9: Maria Krasa; ab 1900,3: Anna Boschek; ab 1919,22: Adelheid Popp. Für die Redaktion verantwortlich: Adelheid Popp-Dworak, ab 1919,22: Eugenie Brandl , Nr. 14 , 1921 , 2-3
Online Zugriff / ÖNB 394591-D.Neu-Per
Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit - In: Die Österreicherin / hrsg. vom Bund österreichischer Frauenvereine. Für die Schriftleitung verantw.: Eugenie Palitschek; ab 1932,8: Marianne Hönig; ab 1932,9: Ernestine Fürth , Nr. 2 , 1933
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Der Internationale Kongreß der Frauenliga für Friede und Freiheit - In: Arbeiterinnen-Zeitung / hrsg. von Rudolf Pokorny u. Viktor Adler; ab 1893,1: Viktoria Kofler; ab 1894,9: Maria Krasa; ab 1900,3: Anna Boschek; ab 1919,22: Adelheid Popp. Für die Redaktion verantwortlich: Adelheid Popp-Dworak, ab 1919,22: Eugenie Brandl , Nr. 12 , 1921 , 2-4
Online Zugriff / ÖNB 394591-D.Neu-Per
Internationale ökonomische Konferenz der Frauenliga für Frieden und Freiheit - In: Die Österreicherin / hrsg. vom Bund österreichischer Frauenvereine. Für die Schriftleitung verantw.: Eugenie Palitschek; ab 1932,8: Marianne Hönig; ab 1932,9: Ernestine Fürth , Nr. 6 , 1931
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Internationaler Frauenkongreß - In: Arbeiterzeitung / Sozialdemokratische Partei Österreichs , Nr. 189 , 12. Juli 1921 , 5-6
Online Zugriff / ÖNB 393854-E.Neu-Per
Kulka, Leopoldine : Für Frieden und Völkerverständigung : Internationaler Frauenkongress im Haag - In: Neues Frauenleben / hrsg. von Auguste Fickert; ab 1911: Hrsg.: Leopoldine Kulka, Christine Touaillon, Emil Fickert , Nr. 4 , 1915
Online Zugriff / ÖNB 422673-B.Neu-Per
Kulka, Leopoldine : Internationaler Frauenkongress im Haag vom 27.-30. April 1915 - In: Neues Frauenleben / hrsg. von Auguste Fickert; ab 1911: Hrsg.: Leopoldine Kulka, Christine Touaillon, Emil Fickert , Nr. 5 , 1915 , 101-107
Online Zugriff / ÖNB 422673-B.Neu-Per
Mayreder, Rosa : Der Haager Frauenkongress im Lichte der Frauenbewegung - In: Neues Frauenleben / hrsg. von Auguste Fickert; ab 1911: Hrsg.: Leopoldine Kulka, Christine Touaillon, Emil Fickert , Nr. 5 , 1915
Online Zugriff / ÖNB 422673-B.Neu-Per
Misař, Olga : Wege der Friedensarbeit : zu den Beschlüssen des Haager Frauenkongresses - In: Neues Frauenleben / hrsg. von Auguste Fickert; ab 1911: Hrsg.: Leopoldine Kulka, Christine Touaillon, Emil Fickert , Nr. 5 , 1915
Online Zugriff / ÖNB 422673-B.Neu-Per
Hertzka, Yella : Die Internationale Weltwirtschaftskonferenz der Frauen-Liga für Frieden und Freiheit in Paris - In: Das Wort der Frau / Chefred.: Helene Granitsch; verantw. Red.: Julie Lachner , Nr. 9 , 3. Mai 1931 , 1-2
Online Zugriff / ÖNB 587848-D.Neu-Per
Oesch, Corinna : Yella Hertzka (1873 – 1948) : transnationale Handlungsräume und Vernetzungen - In: Update! Perspektiven der Zeitgeschichte - Innsbruck [u.a.]: Studien-Verlag, 2012 , 2012 , 509-514
ÖNB 1974189-B.Neu

Material in Archiven und Sammlungen

  • Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Zweig Österreich: Brief - In: DAG, Ordinariatsakten – Altbestand, Vereine 50-f-4/2
  • Korrespondenzen, Statuten, Tätigkeitsberichte der IFFF, Programm der Österreichischen Frauenpartei, Antikriegsausstellung 1935 - In: SFN, Sammlung Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Zweig Österreich, NL I/39a, NL I/39b
  • RGVA, Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Wien Fond 523, 1

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