FunktionärInnen und Mitglieder
Ausschussmitglied
- Eisler, Mathilde (1928-)
- Jochmann, Rosa (1928-)
- Kerndlinger, Marie (1928-)
- Krasa, Wilhelmine (1928-)
- Loch, Lucia (1928-)
- Moik, Wilhelmine
- Riefler, Amalie (1928-)
- Scherl, Marie (1928-)
- Schittenhelm, Marie (1928-)
- Svoboda, Lina (1928-)
- Wagner, Johanna (1928-)
- Zull, Rosa (1928-)
Sekretärin
- Moik, Wilhelmine (1928-)
Vorsitzende
- Boschek, Anna (1928-)
- Riefler, Amalie (1948-1951)
Vorstandsmitglied
- Gründonner, ? (1931-)
- Haas, Therese (1931-)
- Jerabek, Lina (1931-)
- Kößldorfer, Isa (1931-)
- Kraichel, Maria (1931-)
- Leichter, Käthe (1931-)
- Rabenseifner, Anna (1931-)
- Schrodin, Marie (1931-)
- Uhlir, Lina (1931-)
Historischer Überblick
Am 35. Gewerkschaftskongress vom 18. bis zum 22. Juni 1928 war "Frauenarbeit" erstmals zentrales Thema der Tagesordnung. Im Dezember 1893 hatte in Rudolfsheim-Fünfhaus in Wien der erste Gewerkschaftskongress in der westlichen Reichshälfte der Monarchie stattgefunden.
Die Zahl an berufstätigen Frauen war im Zuge des Ersten Weltkriegs stark angestiegen und auch ihr Anteil an den Gewerkschaftsmitgliedern, wobei dieser 20% in der Ersten Republik kaum überstieg: 1923 waren 203.924, 1926 167.919 Frauen gewerkschaftlich organisiert. Ab Mitte der 1920er Jahre ging die Frauenerwerbstätigkeit wieder stark zurück und ebenso sank ihre Mitgliederzahl in den Gewerkschaften. Mit der aufkommenden Wirtschaftskrise wurden Frauen zunehmend in unqualifizierte Arbeiten gedrängt, Angestellte wurden abgebaut, verheirateten Frauen wurde die Berufstätigkeit teilweise verboten. Die Arbeitslosigkeit unter Frauen stieg schneller als die der Männer.
Anna Boschek war seit 1894 bei der Gewerkschaftskommission, dem leitenden Gremium der Freien Gewerkschaften, angestellt und blieb bis 1928 die einzige Frau in diesem Gremium. Ihre Aufgabe war die gewerkschaftliche Frauenorganisation aufzubauen und Frauen als Gewerkschaftsmitglieder zu gewinnen. Dies gestaltete sich über Jahrzehnte nicht einfach, obwohl Frauen auch Gründerinnen einzelner (Fach)Gewerkschaften, wie z.B. Hausgehilfinnen und Krankenpflegerinnen, waren. Frauen blieben in den Gewerkschaften unterrepräsentiert, auch bei den FunktionärInnen und BetriebsrätInnen. Deshalb trat Boschek gemeinsam mit anderen Gewerkschafterinnen für die Schaffung einer eigenen Frauensektion innerhalb des Bundes der Freien Gewerkschaften ein.
Am Gewerkschaftskongress 1928 nahmen rund 440 GewerkschaftsvertreterInnen im Arbeiterheim in Wien Favoriten teil. Der Bund der Freien Gewerkschaften setzte sich zu der Zeit aus 45 sozialdemokratisch orientierten Fachgewerkschaften zusammen. Anna Boschek hielt das Hauptreferat und verlas anschließend eine Resolution, die vom Kongress angenommen wurde. Diese von ihr und anderen weiblichen Delegierten vorgelegte Resolution beinhaltete die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Leistung – Frauen erhielten durchschnittlich die Hälfte der Männerlöhne –, den Hinweis auf die Mehrfachbelastung von Frauen durch die zusätzliche Haus- und Sorgearbeit sowie die Forderung nach weiteren Schutzbestimmungen für berufstätige Frauen und Mütter.
Am 31. Jänner 1929 konstituierte sich die neue Frauensektion im Rahmen einer gewerkschaftlichen Frauenkonferenz. Aus den weiblichen Delegierten der einzelnen Gewerkschaften wurden folgende Personen in den Sektionsausschuss gewählt: Wilhelmine Krasa (BuchbinderInnen), Marie Scherl (SchneiderInnen), Marie Schittenhelm und Amalie Riefler (TextilarbeiterInnen), Lina Swoboda (BlumenarbeiterInnen), Rosa Jochmann (Chemische ArbeiterInnen), Marie Kerndlinger (Lebensmittelhandel), Rosa Zull (LandarbeiterInnen), Johanna Wagner (kaufmännische Angestellte), Lucia Loch (öffentliche Angestellte), Mathilde Eisler (Versicherungangestellte). Anna Boschek wurde vom Bundesvorstand zur Vorsitzenden der Sektion bestimmt, Frauensekretärin wurde Wilhelmine Moik. Käthe Leichter nahm als Vertreterin des Frauenreferats der Arbeiterkammer an den Sitzungen der Frauensektion teil. Agnes Broessler bezeichnet Boschek, Moik und Leichter als „das Kernteam der gewerkschaftlichen Frauenpolitk in der Ersten Republik“.
Zentrale Aufgabe der neugegründeten Sektion war die gewerkschaftliche Frauenorganisation auszubauen und Frauen als Gewerkschaftsmitglieder zu gewinnen. Die Anwerbung neuer weiblicher Mitglieder geschah vor allem über die einzelnen Gewerkschaften. Die Organisationsarbeit erfolgte nun auf breiterer Basis: Sektionssitzungen, Funktionärinnenkonferenzen, Schulungen für Betriebsrätinnen und Funktionärinnen wurden abgehalten, Beratungen zur Gesetzgebung in Bezug auf Frauenberufstätigkeit und weitere Fraueninteressen wurden intensiviert. Die 1927 gegründete Funktionärinnenschule vermittelte den Frauen Wissen über Gewerkschaftswesen, Arbeitsrecht, Wirtschaftsfragen, Belangen der Berufs- und Heimarbeit. Bildung war für die Gewerkschafterinnen ein wichtiger Faktor zur Ermächtigung an der Teilhabe an der politischen Mitbestimmung. Dafür setzte die Frauensektion auch neue Medien wie Radio und Film (siehe dazu: Leichter und Boschek) ein.
Anfang der 1930er Jahre wurde die gewerkschaftliche Arbeit – mit der Weltwirtschaftskrise und zunehmender Arbeitslosigkeit und Verarmung der Bevölkerung – immer schwieriger. Das Aus für die Freien Gewerkschaften und die Frauensektion kam im Februar 1934 mit der Machtübernahme durch den autoritären „Ständestaat“. 1945 nahm die Frauensektion im neu gegründeten Österreichischen Gewerkschaftsbund ihre Arbeit wieder auf.
verwendete Literatur und Quellen:
Anna Boschek : erste Gewerkschafterin im Parlament, 63-182
Broessler: Wilhelmine Moik : ein Leben für die gewerkschaftliche Frauenpolitik
Göhring: Käthe Leichter und die Freie Gewerkschaftsbewegung. - In: „Man ist ja schon zufrieden, wenn man arbeiten kann“, 5-93
Moik: Frauenarbeit und Gewerkschaften : Rede und Diskussion zur Rede Anna Boscheks auf dem Österreichischen Gewerkschaftskongress (Juni 1928)