Loch, Lucia

Namen und Abkürzungen
Loch, Lucie
Geburtsdaten
1881, Ostpreußen
Sterbedaten
13.12.1943, New York
Berufe und Tätigkeiten
Krankenpflegerin, Gewerkschaftsfunktionärin

Funktionen und Mitgliedschaften

Biografie

Während des Ersten Weltkriegs kam Lucia Loch von Berlin nach Wien. Sie war Krankenpflegerin und arbeitete in Wien in einem Kriegsspital. Das niedrige Lohnniveau und Disziplinierungen durch den militärischen Spitalskommandanten waren Anlass dafür, dass sich das Personal im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen organisierte. Lucia Loch wurde zur Personalsprecherin.

1917 war ein Jahr zahlreicher Streikbewegungen und Arbeitsniederlegungen – auch in den Spitälern. So entstand eine erste Interessensvertretung von Krankenschwestern und Krankenpflegerinnen: „Im November 1917 wurde die Fachorganisation der Krankenpflegerinnen und Fürsorgerinnen – die freie Gewerkschaft – gegründet“ schrieb Lucia Loch 1930 im „Handbuch der Frauenarbeit in Österreich“. Diese Gewerkschaft war zunächst eine selbstständige Organisation und wurde später als Teilorganisation in den Bund Öffentlicher Angestellter integriert. Ab 1929 war Lucia Loch auch als Vertreterin ihrer Gewerkschaft in der Frauensektion der freien Gewerkschaften Österreichs.

Nach Kriegsende gab sie im Jahr 1919 ihre Tätigkeit als Krankenpflegerin auf und widmete sich ganz der Gewerkschaftsarbeit. Sie engagierte sich für verbesserte Arbeitsbedingungen der Krankenpflegerinnen. Mit ihrer Beteiligung gelang es für diplomierte Krankenschwestern eine Verdoppelung des Gehalts und Reduzierung der Arbeitszeit auf den Zehnstundentag zu erreichen. Hilfsschwestern, die während des Krieges an der Front gearbeitet hatten und nach Kriegsende keine Arbeit hatten, erhielten die Möglichkeit, sich zu diplomierten Krankenschwestern ausbilden zu lassen. Loch vertrat die Interessen der Krankenschwestern bei Versammlungen und in Debatten etwa um Gehaltserhöhungen, aber auch, als das Dienstrecht, in den 1930er Jahren mit der Weltwirtschaftskrise, verschlechtert wurde.

1934 mit dem Verbot der Freien Gewerkschaften endete Lochs Arbeit als Gewerkschaftssekretärin. Sie ging in den Untergrund und war Mitglied des Frauenkomitees der illegalen Gewerkschaften. Ihre Wohnung wurde Treffpunkt und Versteck vieler Verfolgter. Sie selbst flüchtete 1938 über die Schweiz und Frankreich in die USA, wo sie 1943 starb.

verwendete Literatur und Quellen:

biografiA
Helfert: Kämpfen für das Glück aller Menschen. - In: Arbeit & Demokratie, 79-104
Mendel: Die Gewerkschaftsgründerin Lucie Loch

verfasst von: Lydia Jammernegg

Lexikoneinträge

biografiA

Loch Lucia (Lucie); Gewerkschafterin
Geb. Ostpreußen, 1881
Gest. New York City, New York, USA, 13.12.1943
L. L. wird 1881 in Ostpreußen geboren. Während des Ersten Weltkrieges kommt sie nach Wien, wo sie als Pflegerin in einem Kriegsspital arbeitet. Der ausbeuterische Drill und die strikte unmenschliche Reglementierung, den die militärischen Spitalskommandanten gegenüber den Pflegerinnen an den Tag legen, empören L. L. derartig, dass sie beginnt, sich dagegen zur Wehr zu setzen und so zur Sprecherin des Personals wird. L. L. verbindet den Kampf um wirtschaftliche Verbesserungen des Pflegepersonals mit dem politischen Kampf gegen die Habsburgermonarchie. Der Zusammenschluss der Krankenpflegerinnen ist wohl als eine Vorläuferorganisation der Gewerkschaftsbewegung zu sehen. Bald darauf stellt L. L. auch eine Verbindung zu den in der Hierarchie höher stehenden und etwas besser gestellten Krankenschwestern her, sie wird eine der Gründerinnen der gewerkschaftlichen Organisation der Krankenschwestern.
Nach dem Ersten Weltkrieg wird L. L. zur Sekretärin dieser Gewerkschaft, welche zunächst eine selbstständige Organisation darstellt und später als Teilorganisation im größeren Rahmen des Bundes Öffentlicher Angestellter aufgeht. Viele Verbesserungen der Situation des Krankenpflegepersonals gehen auf den unermüdlichen Einsatz L. L.s zurück. Die Februarkämpfe 1934 und die damit verbundenen Restriktionen gegen bestimmte politische Gruppen treiben auch L. L. in die Illegalität. Zu dieser Zeit wird eine klerikal-faschistische Schwesternorganisation unter dem Protektorat des Kardinals Innitzer eingesetzt. L. L. stand mit den Krankenpflegerinnen der großen Spitäler in Verbindung, die sich von dieser Organisation nicht vertreten fühlten und hielt eine Art Untergrundorganisation aufrecht, welche die damals offizielle klerikal-faschistische Krankenschwesternorganisation bekämpfte. Zur gleichen Zeit war sie in der Betriebsorganisation der Revolutionären Sozialisten tätig, die dem zentralen Frauenkomitee der Untergrund-Gewerkschaften angehörte. Obwohl sie zu dieser Zeit bereits schwer krank ist, engagiert sie sich für ihre verfolgten Genossinnnen und Genossen. Ihre Wohnung wird zum Treffpunkt und Versteck vieler vom Regime Verfolgter, wie z. B. der Redakteure der „Arbeiter-Zeitung“, unter ihnen auch Otto Leichter und seine Frau Käthe, einer prominenten Sozialistin, die im Zuge des nationalsozialistischen Terrors 1942 ermordet wird.
1938 versucht L. L. zunächst in Österreich zu bleiben und weiterzuarbeiten, aber eine drohende Verhaftung durch die Nationalsozialisten zwingt sie zur Flucht in die Schweiz, von dort führt ihr Emigrationsweg weiter nach Paris. Sie hielt auch dort die Verbindung zu den österreichischen Sozialisten und Gewerkschaftern aufrecht. 1941 flüchtet L. L. in die Vereinigten Staaten. Es sollte die letzte Station auf ihrem Lebensweg werden. Am 13.12.1943 stirbt L. L. im Alter von 62 Jahren nach langer schwerer Krankheit in New York.
L.: Fleck/Berger 2000, Pasteur 1986, Austrian Labor Information (New York) November/Dezember 1943

Ausgewählte Publikationen

Loch, Lucie: Das Krankenpflegepersonal und die Angestelltenversicherung - In: Frauenarbeit, Jg. 7 (1929), Nr. 5, 220-221
ÖNB 606270-C.Neu-Per
Loch, Lucie: Der Angriff des Bundesministeriums für soziale Verwaltung auf die Rechte des Krankenpflegepersonals und der Hebammen der Wiener Fonds- und Bundeskrankenanstalten - In: Frauenarbeit, Jg. 9 (1931), Nr. 9, 379-380
ÖNB 606270-C.Neu-Per
Loch, Lucie: Die Krankenpflegerin - In: Handbuch der Frauenarbeit in Österreich - Wien: Kammer für Arbeiter und Angestellte, 1930, 295-300
Online Zugriff / ÖNB 579225-C.Neu

Quellen und Sekundärliteratur

Gewerkschaftliche Funktionärinnenkonferenz - In: Frauenarbeit, Jg. 9 (1931), Nr. 1, 42-43
ÖNB 606270-C.Neu-Per
Helfert, Veronika: Kämpfen für das Glück aller Menschen. Schlaglichter auf die Arbeiterinnenbewegung in Österreich am Beispiel von Lucie Loch (1881-1943) - In: Arbeit & Demokratie - Klagenfurt: ÖGB-Verlag, 2020, 79-104
ÖNB 2170335-C.Neu

Material in Archiven und Sammlungen

  • Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-030593