Marie Lang

Namen und Abkürzungen
Köchert, Marie (Ehename)
Lang, Maria (Ehename)
Wisgrill, Marie (Geburtsname)
Geburtsjahr
8.03.1858, Wien
Todesjahr
14.10.1934, Altmünster
Berufe und Tätigkeiten
Vereinsfunktionärin

Funktionen und Mitgliedschaften

Allgemeiner Österreichischer Frauenverein Mitbegründerin, Vizepräsidentin
Erster Wiener Frauenklub Ausschussmitglied, Vizepräsidentin, Mitbegründerin
Verein Wiener Settlement Mitbegründerin, Vizepräsidentin, Ausschussmitglied

Biografie

MARIE LANG (1858-1934)
Vertreterin des radikalen Flügels der österreichischen Frauenbewegung, gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Edmund Laube war sie Mittelpunkt eines sehr freisinnig und fortschrittlichen Wiener Kreises, der sich sozialen und künstlerischen Aufgaben widmete, Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des "Allgemeinen Österreichischen Frauenvereines", setzte sich für die Verbesserung der rechtlichen Stellung der Frau sowie der unehelichen Kinder ein, kämpfte für die Abschaffung der Reglementierung der Prostitution und der Zölibatsklausel, Mitherausgeberin der Monatsschrift "Dokumente der Frauen".

Marie Lang : Gedenkblatt des Settlement für seine Mitglieder und Freunde
Österreichisches biographisches Lexikon

Helga Hofmann-Weinberger

Lexikon

biografiA

Lang Marie, geb. Wisgrill; Schriftstellerin, Sozialarbeiterin und Frauenrechtsaktivistin
Geb. Wien, 8. 3. 1858
Gest. Altmünster, OÖ, 14. 10. 1934
Herkunft, Verwandtschaften: Mutter: Emilie, geb. Scholz, Schauspielerin; Vater: K. Wisgrill, Zimmermeister.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1. verheiratet mit Theodor Köchert (1859–1937), Hofjuwelier; 2. verheiratet mit Dr. Edmund Lang, (1860 –1918), Rechtsanwalt; Sohn: Erwin Lang (1886 –1962), Grafiker, verheiratet mit Grete Wiesenthal, Tänzerin; Tochter: Lilith Lang (* 1891), Künstlerin.
Laufbahn: M. L. wurde in den 1880er Jahren durch R. Mayreder und A. Fickert in die bürgerliche Frauenbewegung eingeführt. Von 1899 bis 1903 war sie Mitherausgeberin der Zeitschrift „Dokumente der Frauen“. Nach dem Londoner Frauenkongress 1898 propagierte sie in Wien die Ideen der internationalen Settlement-Bewegung (stadtteilbezogene Fürsorgearbeit von Frauen). Die Gründung des Wiener Settlement erfolgte 1901. M. L. setzte sich insbesondere für den Mutterschutz ein, für das Recht unehelicher Kinder, kämpfte gegen den Lehrerinnen- Zölibat und war in der abolitionistischen Bewegung (gegen die Reglementierung der Prostitution) aktiv. Weiters war sie Mitglied der Pressekommission im Bund Österreichischer Frauenvereine. Im Ersten Weltkrieg arbeitete sie im Kriegsspital des Akademischen Gymnasiums als Krankengymnastin. Sie organisierte auch in Form privater Sprechstunden Einzelfallhilfe
für Frauen. M. L. war eine zentrale Persönlichkeit im radikaleren Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung in Wien, Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des „Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins“. Außerhalb der Frauenbewegung bildete M. L. mit ihrem Mann den Mittelpunkt eines sozial und künstlerisch fortschrittlichen Kreises.
W.: Veröffentlichungen in den „Dokumenten der Frauen“; „H. Wolfs Entwicklungszeit. In: Die Zeit, 3. 1. 1904“, „Wie der Corregidor entstand. In: Die Zeit, 23. 2. 1904“, „Wie ich zur Frauenbewegung kam. In: Die Österreicherin, 1930, Nr. 3“, „Gedenkblatt des Settlement“ (1935)

ÖBL

Lang Marie, Sozialarbeiterin. * Wien 8. 3. 1858; + Altmünster (O.Ö.), 14. 10. 1934. Tochter des Zimmermeisters K. Wisgrill und dessen Ehefrau Emilie geb. Scholz, einer Schauspielerin und Nichte des Komikers We. Scholz. In erster Ehe war sie mit dem Hofjuwelier Th. Köchert in zweiter Ehe mit dem Rechtsanwalt Dr. Edmund L. (1860-1918) verheiratet. Mutter des Malers Erwin L., Schwiegermutter der Tänzerin G. Wiesenthal. Mit Ende der achtziger Jahre wurde sie durch R. Mayreder und A. Fickert der Frauenbewegung zugeführt, in der sie bald durch ihre lebensvolle Persönlichkeit und unterstützt von einer hinreißenden Rednergabe zu den führenden Frauen zählte. Mit den beiden genannten Führerinnen gab sie um 1900 die hochrangige Z. "Dokumente der Frauen" (1899-1903) heraus. 1898 brachte sie von London die Anregung, die dortige Settlementbewegung auch in Wien zu verwirklichen. Die Gründung des Wr. Settlements erfolgte 1901 unter ihrer maßgebenden Beteiligung durch E. Federn und deren Kreis. L. setzte sich radikal ein in Fragen des Mutterschutzes, der rechtlichen Stellung des unehelichen Kindes, gegen Reglementierung und Lehrerinnen-Zölibat. Außerhalb des Organisationslebens bildete L. mit ihrem Mann den Mittelpunkt eines freisinnigen Kreises, der in sozialer und auch in künstler. Beziehung fortschrittlichstes Wien darstellte. H. Wolf, von L. mütterlich umsorgt, weilte oft wochenlang in ihrem gastlichen Heim. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete L. im Kriegsspital des Akadem. Gymn. unter Prof. Clairmont mit Hingabe im Schwed. Massieren und Passiven Turnen. Mittels privater Sprechstunden half sie auch in ungezählten Einzelfällen mit Rat und Tat. Die stärkste Wirkung dieser ungewöhnlichen, ihre Umgebung geradezu bezaubernden Individualität, lag überhaupt mehr in ihrer allerdings weitgespannten privaten Sphäre, als im Bereich straff geordneter Organisationen. L. stellt einen Frauentypus dar, der noch in der liberalen Ära verwurzelt, seine stärkste soziale und kulturelle Wirkung im Rahmen fortschritts- und wirkungsfreudigen gesellschaftlichen Lebens entfalten konnte.

Publikationen

Dokumente der Frauen / hrsg. von Auguste Fickert, Marie Lang, Rosa Mayreder; ab 2.1900,20: Marie Lang - Wien: , 1899-1902
Online Zugriff / ÖNB 402681-B.Neu
Lang, Marie: Offenbarung - In: Dokumente der Frauen / hrsg. von Auguste Fickert, Marie Lang, Rosa Mayreder; ab 2.1900,20: Marie Lang , Nr. 22 , 1902 , 636-638
Online Zugriff / ÖNB 402681-B.Neu
Lang, Marie: Wie ich zur Arbeit an der Frauenbewegung kam - In: Die Österreicherin / hrsg. vom Bund österreichischer Frauenvereine. Für die Schriftleitung verantw.: Eugenie Palitschek; ab 1932,8: Marianne Hönig; ab 1932,9: Ernestine Fürth , Nr. 3 , 1930 , 4
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per

Quellen und Sekundärliteratur

Urban, Gisela : Ein Gedenkblatt für Marie Lang - In: Die Österreicherin / hrsg. vom Bund österreichischer Frauenvereine. Für die Schriftleitung verantw.: Eugenie Palitschek; ab 1932,8: Marianne Hönig; ab 1932,9: Ernestine Fürth , Nr. 5 , 1935 , 2
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Marie Lang, zum siebzigsten Geburtstag - In: Die Österreicherin / hrsg. vom Bund österreichischer Frauenvereine. Für die Schriftleitung verantw.: Eugenie Palitschek; ab 1932,8: Marianne Hönig; ab 1932,9: Ernestine Fürth , Nr. 4 , 1928 , 7
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Mayreder, Rosa : Marie Lang : ein Nachruf - In: Die Österreicherin / hrsg. vom Bund österreichischer Frauenvereine. Für die Schriftleitung verantw.: Eugenie Palitschek; ab 1932,8: Marianne Hönig; ab 1932,9: Ernestine Fürth , Nr. 7 , 1934 , 3
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sparholz, Irmgard : Marie Lang und die Settlement-Bewegung in Österreich - In: Zeitgeschichte , Nr. 7 , 1987/1988 , 271-281
Online Zugriff / ÖNB 1098696-B.Neu-Per

Material in Archiven und Sammlungen

  • Briefe von Marie Lang an Auguste Fickert - In: WBR/HS, Nachlass Auguste Fickert M09H

Links