Hertha Sprung

Namen und Abkürzungen
H. S. (Abkürzung)
Sprung, Hertha von
Sprung, Henriette
Sprung, Herta
Sprung, H. v.
Sprung, Hertha v.
Geburtsdaten
4.02.1862, Graz
Sterbedaten
8.05.1961, Wien
Berufe und Tätigkeiten
Fachinspektorin, Vereinsfunktionärin, Funktionärin der Vaterländischen Front

Funktionen und Mitgliedschaften

Bund Österreichischer Frauenvereine: Vorsitzende, Vorstandsmitglied, stellvertretende Vorsitzende
Frauenreferat der Vaterländischen Front: Mitarbeiterin
Verein Selbsthilfe: Ehrenmitglied

Biografie

Über Hertha Sprung ist nur wenig bekannt. Die wenigen Informationen werden uns über das historisierende Schreiben der nächsten Generation des Bundes österreichischer Frauenvereine vermittelt.

Hertha Sprung wurde in Graz als Tochter eines Generals geboren. Die Familie übersiedelte nach Wien und Hertha Sprung erielt eine musikalische Ausbildung. 1890 heiratete sie den Juristen Franz Sprung, einen Pionier der Volksbildung, durch den sie Marianne Hainisch kennenlernte.

1905 kam sie ins Unterrichtsministerium, wo sie zwanzig Jahre an der Entwicklung von Lehrplänen und neuen Schulformen, der Lehrerinnenausbildung und Schulorganisation - insbesondere für Mädchen und Frauen - arbeitete. Margarete Geyling spricht davon, dass sie "1906 das Seminar zur Heranbildung von Koch- und Haushaltungs-Schullehrerinnen und die Koch- und Haushaltungsschule, 1908 die Frauengewerbeschulen, 1910 die Bildungsanstalt für Frauengewerbeschullehrerinnen, 1913 die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe, 1922 die gewerbliche Gartenbauschule" initiierte. Sie war eine der ersten Frauen im Unterrichtsministerium, die schließlich 1923 als Beamtin des höheren Verwaltungsdienstes ihren männlichen Kollegen gleichgestellt wurde - anfangs unter dem Titel einer "außerordentlichen Inspektionskommissärin für weibliche Erwerbs- und Arbeitsschulen", dann als Fachinspektorin.

Von Marianne Hainisch wurde sie für die Mitarbeit in der neugegründeten Frauenvereinigung für soziale Hilfstätigkeit gewonnen. Seit der Vereinsgründung war sie im Bund österreichischer Frauenvereine in verschiedenen Funktionen aktiv und wurde die Nachfolgerin von Marianne Hainisch als Vereinspräsidentin. Im autoritären Ständestaat übernahm sie im Frauenreferat der Vaterländischen Front eine Funktion als Mitarbeiterin der Arbeitsgemeinschaft für Schule, Erziehung und Mädchenbildung.

verfasst von: Lydia Jammernegg

Lexikoneinträge

biografiA

Sprung Hertha von, Henriette; Frauenrechtsaktivistin, Vereinsfunktionärin und Politische Funktionärin
Geb. Graz, Stmk., 4. 2. 1862
Gest. Wien, 8. 5. 1961 (6. 5. )
Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Heinrich Hauser (1800 –1893), Kaiserjäger, später General, 1849 geadelt; Mutter: Anna (* 1839), Tochter von Philipp von Risenfels; drei Brüder.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1890 Heirat mit Franz von Sprung, Dr. iur., Rechtsanwalt, tätig in der Volksbildung. 1919 Adoptivsohn (Neffe).
Ausbildungen: Konservatorium in Wien, Staatsprüfung für Klavier.
Laufbahn: H. v. Sp. trat dem 1896 gegründeten Frauenverein für soziale Hilfstätigkeit bei, dessen Grundlagenprogramm – eine Art Stadtteilarbeit in Wiener Arbeiterbezirken – sie ausarbeitete. Trat 1904 in das Unterrichtsministerium ein. Ab 1905 befasste sie sich mit der Gestaltung des Unterrichts an und der Entwicklung von Curricula für Frauengewerbeschulen in Zusammenarbeit mit dem Unterrichtsministerium. Sie entwickelte den Lehrplan für die staatliche Lehranstalt für Hauswirtschaftslehrerinnen, die Grundlagen für eine staatliche Lehranstalt zur Ausbildung im Weiß- und Kleidernähen für Lehrerinnen, die Unterrichtspläne für Hauswirtschaftskurse in Bergwerksgebieten und den Lehrplan für die dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe. 1925 schied sie aus dem Unterrichtsministerium aus. H. Sp. war von 1919 bis 1932 Vorsitzende des Bundes Österreichischer Frauenvereine (BÖFV), in dessen Organ „Die Österreicherin“ sie auch publizierte. Sie wurde zu internationalen Frauenkongressen delegiert und initiierte die Abhaltung der Generalversammlung des International Council of Women 1930 in Wien, eine für die bürgerliche Frauenbewegung wesentliche Großveranstaltung. Im Austrofaschismus war sie an den Versuchen der Frauenorganisationen beteiligt, eine ständische Vertretung der Hausfrauen und Hausgehilfinnen zu erreichen (Hauswirtschaftskammer). Vorerst nur als durch einen besonderen Vertrag gebundene Mitarbeiterin und mit dem Titel einer außerordentlichen Inspektionskommissärin, später dem einer Fachinspektorin bekleidet, trat sie im Jahre 1923 als den männlichen Kollegen gleichgestellte Beamtin in den höheren Verwaltungsdienst ein und wurde im selben Jahr als erste Frau mit der Verleihung des Titels Regierungsrat ausgezeichnet. Bei ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Bundesdienst wurde sie, ebenfalls als erste Frau, zum Hofrat ernannt.
Ausz., Mitglsch.: Um 1918 Mitglied der Kommission für Frauenarbeit der sozialpolitischen Sektion des Ministeriums für soziale Fürsorge. 1925 (1926) als erste Frau in Österreich Titel „Hofrat“, 1960 Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich.
W. u. a.: „Wie ich zur Arbeit an der Frauenbewegung kam. (Rosa Mayreder, Hertha Sprung, Marie Lang, Marie Vian). In: Die Österreicherin. Zeitschrift für alle Interessen der Frau. Hg. v. Bund österr. Frauenvereine, Nr. 3 v. 1. 3. 1930“

Ausgewählte Publikationen

H. S.: Das Interesse der Frauen in den Bundesländern am Internationalen Frauenkongreß - In: Die Österreicherin, Jg. 3 (1930), Nr. 5, 4
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
H. S.: Frauenvereinigung für Soziale Hilfstätigkeit : [Auflösung] - In: Die Österreicherin, Jg. 5 (1932), Nr. 5, 7
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
H. S.: Preisbildung in Österreich - In: Die Österreicherin, Jg. 5 (1932), Nr. 9, 7-8
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Herta: Die amerikanische Hausfrau - In: Die moderne Frau, Jg. 1 (1926), Nr. 2, 3-4
Online Zugriff / ÖNB 608989-C.Neu
Sprung, Hertha: An die Bundesvereine - In: Der Bund, Jg. 14 (1919), Nr. 5, 2-4
Online Zugriff / ÖNB 442258-B.Neu-Per
Sprung, Hertha: Die Aufgaben der Österreicherin - In: Die Österreicherin, Jg. 1 (1928), Nr. 1
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Die Frage der Hausgehilfinnen - In: Neue Freie Presse, Nr. 20537, 31. Oktober 1921, 7
Online Zugriff / ÖNB 393928-D.Neu
Sprung, Hertha: Die Internationale Genossenschaftliche Frauenkonferenz in Wien - In: Die Österreicherin, Jg. 3 (1930), Nr. 7, 9-11
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Die Krankenversicherung der Hausgehilfin - In: Die Österreicherin, Jg. 2 (1929), Nr. 4, 7-9
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Die österreichische Hausfrau - In: Die Österreicherin, Jg. 6 (1933), Nr. 9-10, 3
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Frauenberufsleben - In: Das Buch der Frau : eine Zeitkritik - Wien: M. Duke, 1927, 31-35
ÖNB 1925369-B.Neu
Sprung, Hertha: Geplanter Umbau unserer Verfassung? : Konstituierung einer Hausfrauen- und Hausgehilfinnenkommission - In: Die Österreicherin, Jg. 10 (1937), Nr. 8, 1-2
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Internationaler Frauenkongreß in Wien : achte Generalversammlung des Internationalen Frauenbundes ; Rückschau und Ausblick - In: Die Österreicherin, Jg. 3 (1930), Nr. 6
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Langeweile gab es für uns Kinder nicht - In: "Es war eine Welt der Geborgenheit ..." : bürgerliche Kindheit in Monarchie und Republik - Wien [u.a.]: Böhlau, 1999, 241 ff.
ÖNB 1401275-B.Neu-Per.12
Sprung, Hertha: Margarete Minor : Gedenkworte - In: Rohö-Frauenblatt, Jg. 7 (1927), Nr. 6, 2
Online Zugriff / ÖNB 606142-D.Neu
Sprung, Hertha: Marie Hoheisel - In: Frauen-Rundschau, Jg. 3 (1952), Nr. 11, 3
ÖNB 801053-D.Neu
Sprung, Hertha: Probleme der Hauswirtschaft. Einleitende Worte zu einer ständigen Rubrik "Die österreichische Hausfrau" - In: Die Österreicherin, Jg. 3 (1930), Nr. 1
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha v.: Die Rolle der Frau in der Volkserziehung - In: Neue Freie Presse, Nr. 25231, 8. Dezember 1934, 3
Online Zugriff / ÖNB 393928-D.Neu
Sprung, Hertha: Vom Internationalen Frauenbund : Eindrücke von der Londoner Vorstandssitzung - In: Die Österreicherin, Jg. 2 (1929), Nr. 6
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha von: Das Bundesprogramm und unsere nächsten Aufgaben - In: Der Bund, Jg. 14 (1919), Nr. 1
Online Zugriff / ÖNB 442258-B.Neu-Per
Sprung, Hertha von: Ein Vorschlag zur Lösung der Dienstbotenfrage - In: Der Bund, Jg. 5 (1910), Nr. 6, 9-12
Online Zugriff / ÖNB 442258-B.Neu-Per
Sprung, Hertha von: Frauengewerbeschulen in Österreich - In: Österreichische Frauen-Rundschau, Jg. 8 (1910), Nr. 72
Online Zugriff / ÖNB 447179-B-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Wie ich zur Arbeit an der Frauenbewegung kam - In: Die Österreicherin, Jg. 3 (1930), Nr. 3, 3
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, Hertha: Zur Hausgehilfinnenfrage - In: Die Österreicherin, Jg. 10 (1937), Nr. 7
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Sprung, H. v.: Die Generalversammlung des Bundes ungarischer Frauenvereine - In: Der Bund, Jg. 11 (1916), Nr. 10, 5-6
Online Zugriff / ÖNB 442258-B.Neu-Per

Quellen und Sekundärliteratur

Aus dem allgemeinen österreichischen Frauenvereine - In: Der Bund, Jg. 1 (1906), Nr. 6, 10-11
Online Zugriff / ÖNB 442258-B.Neu-Per
H. M.: Der Weg der Frauen in die Berufe - In: Frauen-Rundschau, Jg. 4 (1953), Nr. 6, 3-6
ÖNB 801053-D.Neu
Zum 90. Geburtstag! [von Hertha von Sprung] - In: Frauen-Rundschau, Jg. 3 (1952), Nr. 2, 3-4
ÖNB 801053-D.Neu

Material in Archiven und Sammlungen

  • Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-046874
  • Brief von Hertha Sprung an Elise Richter - In: WBR/HS, Nachlass Elise und Helene Richter H.I.N. 231974
  • DOKU, Unveröffentlichte Lebenserinnerungen von Hertha Sprung