Aline Furtmüller

Namen und Abkürzungen
Furtmüller, Lina
Klacko, Aline (Geburtsname)
Klatschko, Aline
Geburtsdaten
20.10.1883, Wien
Sterbedaten
1.12.1941, Haverford, Pennsylvania (USA)
Berufe und Tätigkeiten
Lehrerin, Politikerin, Parteifunktionärin

Funktionen und Mitgliedschaften

Biografie

Aline Klatschko wurde als Tochter russisch-jüdischer Emigranten in Wien geboren und wuchs in einem liberalen bürgerlichen Milieu auf. Sie erhielt eine höhere Schulbildung und studierte ab 1903 an der Universität Wien romanische Sprachen. 1908 gehörte sie zu der ersten Generation an Frauen, die ein Studium in Österreich abschlossen. Im Studium kam sie mit sozialistischen Student:innen in Kontakt, so auch mit ihrem späteren Mann.

Sie heiratete den Pädagogen und Individualpsychologen Carl Furtmüller, mit dem sie eine Tochter und einen Sohn hatte. 1904 zogen die Furtmüllers für fünf Kahre nach Kladno in Nordböhmen, wo ihr Mann als junger Lehrer eingesetzt wurde. Von 1909 bis zu ihrer Zwangspensionierung 1934 war Aline Furtmüller als Lehrerin an verschiedenen Mädchenlyzeen in Wien tätig, unter anderem unterrichtete sie zwischen 1920 und 1934 am Mädchenrealgymnasium der Schwarzwaldschulen.

Von 1919 bis 1934 war Aline Furtmüller sozialdemokratische Gemeinderätin in Wien. Außerdem war sie Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauenorganisation im dritten Bezirk, Landstraße, und Delegierte zur Frauenreichskonferenz 1926 für die Freie Lehrergewerkschaft. Zum Freundeskreis, den das Ehepaar Furtmüller regelmäßig einlud, gehörten Otto Bauer, Alfred und Raissa Adler, Max Adler sowie Otto und Leopoldine Glöckel, Otto und Käthe Leichter sowie Oscar und Marianne Pollak.

1934 wurde Aline Furtmüller als sozialdemokratische Abgeordnete verhaftet und aus dem Schuldienst entlassen ebenso wei ihr Mann. 1938 verließen die Furtmüllers mit den Söhnen von Käthe Leichter Österreich. Sie gingen zuerst nach Paris und dann über Spanien in die USA, wo Aline Furtmüller bald darauf verstarb. Im 5. Wiener Gemeindebezirk wurde eine Wohnhausanlage, in der Ziegelofengasse 12-14 nach dem Ehepaar benannt.

verwendete Literatur und Quellen:

Achs: Zwischen Gestern und Morgen
Ritt-Krenek: Aline Furtmüller

verfasst von: Lydia Jammernegg

Lexikoneinträge

biografiA

Furtmüller Aline, geb. Klacko, Klatschko, genannt Lina; Politikerin und Lehrerin
Geb. Wien, 20. 10. 1883
Gest. New York City, New York, USA, Dezember 1941
Herkunft, Verwandtschaften: Mutter: Anna Klatschko; Vater: Samuel Klatschko, führender Vertreter der frühen sozialdemokratischen Bewegung in Russland, 1880 Emigration nach Wien; mehrere jüngere Geschwister.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1904 Heirat mit Carl Furtmüller (1880 –1951), Obmann des Bildungssausschussesder SDAP, Mitarbeiter Otto Glöckels, Gemeinderatsmitglied für den 3. Bezirk (Wien-Landstraße) bis 1934, Vertreter der Individualpsychologie. Vermutlich anlässlich der Heirat vom jüdischen zum protestantischen Glauben konvertiert. Kinder: Lydia (* 1907), Lux Ernst (* 1910).
Ausbildungen: 1903 – 04 Studium der französischen Sprache an der Universität Wien, 1905 – 08 private Vorbereitung auf das Gymnasiallehrerexamen, 1908 Dr. phil.
Laufbahn: Ab 1900 enge Verbindung zum „Sozialwissenschaftlichen Bildungsverein“ Wien, Mitglied der SDAP; 1904 –1909 in Kladno/Nordböhmen (Mann Mittelschullehrer), 1905 Mitgründerin der Ortsgruppe Kladno „Verein Freie Schule“; nach der Rückkehr nach Wien Lehrerin an der Schwarzwaldschule, 1919 –34 Gemeinderatsmitglied in Wien (SDAP); A. F. war in der Bildungsbewegung aktiv und außerdem auch Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauenorganisation im 3. Bezirk, Landstraße. Das Ehepaar Furtmüller lud regelmäßig zu politischen Diskussionen in die eigene Wohnung ein. 1934 war A. F. für mehrere Wochen in Haft, wurde, wie ihr Mann, fristlos entlassen und war in der Folge für die Revolutionären Sozialisten tätig. 1938 (andere Quelle: Juni 1939) ging das Ehepaar gemeinsam in die Emigration nach Paris; Mitglied des Kreises österreichischer Sozialisten in der AVÖS (Auslandsvertretung der österr. Sozialisten); Sommer 1940 Flucht nach Montauban in Süd-Frankreich, Mitarbeit bei der Flüchtlingshilfe, wurden beim illegalen Grenzübertritt nach Spanien verhaftet. Nach mehreren Monaten Haft in spanischen Gefängnissen kamen sie nach New York, wo A. F. bald darauf an Leukämie starb; neben Friedrich Adler u. a. Mitunterzeichnerin des Protestes österr. Sozialdemokraten im September 1941 gegen den Versuch der Bildung einer österr. Exilregierung durch Hans Rott und Willibald Plöchl. Unter anderem pflegte A. F. enge Freundschaften zu Laura Polanyi, Raissa Adler und Käthe Leichter, nahm nach deren Verhaftung ihren Sohn Heinz auf, auch enge Zusammenarbeit mit derselben, leitete Briefe an und von Käthe Leichter ins Gefängnis weiter.
Ausz.: Die in den Jahren 1936 bis 1938 in der Tradition der Gemeindebauten der Ersten Republik errichtete städtische Wohnhausanlage in 1050 Wien, Ziegelofengasse 12–14, wurde 1949 „Aline Furtmüller-Hof“ benannt. Seit dem Tod Carl Furtmüllers heißt der Wohnbau „Furtmüllerhof“.
W.: „Frauenarbeit und Kulturformen. In: Handbuch der Frauenarbeit in Österreich“ (1930)

Ausgewählte Publikationen

Furtmüller, Aline: Der Kampf der Geschwister - In: Heilen und Bilden : Grundlagen der Erziehungskunst für Ärzte und Pädagogen. - 2. neubearb. u. erw. Aufl. - München: J. F. Bergmann, 1922, 178-181
ÖNB 563752-C.Neu
Furtmüller, Aline: Die Frau als geistige Arbeiterin : die Mittelschullehrerin - In: Arbeiterzeitung, Jg. 44 (2. März 1931), Nr. 61, 3
Online Zugriff / ÖNB 393854-E.Neu-Per
Furtmüller, Aline: Ein Spaziergang durch Alt-Wien - In: Jahresbericht des Öffentlichen Mädchen-Lyzeums Liste, 1911, 3-4
Online Zugriff / ÖNB 507377-B.Neu
Furtmüller, Aline: Frauenarbeit und Frauenbewußtsein - In: Handbuch der Frauenarbeit in Österreich - Wien: Kammer für Arbeiter und Angestellte, 1930, 465-470
Online Zugriff / ÖNB 579225-C.Neu
Furtmüller, Aline: Notre livre de français : Lehrbuch für deutsche und allgemeine Mittelschulen sowie verwandte Schulgattungen. - 3 Bde - Wien [u.a.]: Dt. Verl. für Jugend u. Volk, 1924
ÖNB 551410-B.Neu
Furtmüller, Aline: Pour jouer en classe! : Zwei anspruchslose Reimspiele für das zweite Jahr des Französischunterrichts - Wien: Dt. Verl. für Jugend und Volk, 1920
ÖNB 577081-B.Neu

Quellen und Sekundärliteratur

Die Frauen demonstrieren : gewaltige Protestkundgebungen gegen den neuen §144 - In: Arbeiterzeitung, Jg. 40 (12. Oktober 1927), Nr. 279, 7
Online Zugriff / ÖNB 393854-E.Neu-Per
Die sozialdemokratischen Gemeinderätinnen von Wien [Alt, Furtmüller, Schlicker, Birkhofer, Königstetter, Deutsch-Kramer, Ammon] - In: Die Unzufriedene, Jg. 10 (11. Juni 1932), Nr. 23, 4
Online Zugriff / ÖNB 600447-C.Neu-Per
Die Tochter des russischen Revolutionärs : was Gemeinderätin Aline Furtmüller über ihr Leben erzählt - In: Die Unzufriedene, Jg. 1 (22. Dezember 1923), Nr. 14, 2-3
Online Zugriff / ÖNB 600447-C.Neu-Per
Embacher, Helga: Außenseiterinnen : bürgerlich, jüdisch, intellektuell – links - In: L' homme, Jg. 2 (1991), Nr. 2, 57-76
Online Zugriff / ÖNB 1349756-C.Neu-Per
Gewerkschaftsvertreterinnen im neuen Wiener Gemeinderat - In: Frauenarbeit, Jg. 10 (1932), Nr. 9, 317
ÖNB 606270-C.Neu-Per

Material in Archiven und Sammlungen

  • Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-014222 ; TP-014182
  • VGA Wien, Personennachlass, Carl und Aline Furtmüller
  • VGA Wien, Personenarchiv, Aline Furtmüller Lade 20, Mappe 51
  • Manuskripte über Aline Furtmüller, Luise Kautsky, Käthe Leichter, Anna Kethly, Anna Altmann, Anna Boschek - In: VGA Wien, Personennachlass Gabriele Proft, Karton 2, Mappe 4/5

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