FunktionärInnen und Mitglieder
Historischer Überblick
Im März 1900 gründeten Olga Wisinger-Florian, Marie Egner, Teresa Feodorowna Ries, Marie Müller, Bertha von Tarnóczy, Marianne von Eschenburg, Susanne Granitsch und Eugenie Breithut-Munk die Gruppe der Acht Künstlerinnen. Als erster österreichischer Ausstellungsgemeinschaft kunstschaffender Frauen kam ihr in der patriarchal geprägten Kulturlandschaft der ausgehenden Habsburgermonarchie eine Vorreiterstellung zu: Künstlerinnen waren damals von einer vollwertigen Mitgliedschaft in den meisten Vereinigungen – darunter Künstlerhaus, Secession und Hagenbund – ausgeschlossen. Ziel der Gruppe war das gemeinschaftliche und regelmäßige Ausstellen von Malereien, Graphiken, Plastiken und kunsthandwerklichen Objekten in Zusammenarbeit mit Gastkünstlerinnen. Ein einheitlicher Stil oder ein spezifisches Programm wiesen sie dabei nicht auf.
Zwischen 1901 und 1912 präsentierte die Gruppe ihre Arbeiten insgesamt sechsmal im Kunstsalon Pisko in Wien, zweimal im Oberösterreichischen Kunstverein in Linz, dem Bertha von Tarnóczy als Ausschussmitglied angehörte, sowie 1906 auf der staatlich geförderten „Imperial Royal Austrian Exhibition“ in London und 1914 im Mährischen Kunstverein in Brünn. Renommierte Journalist*innen wie Ludwig Hevesi, Bertha Zuckerkandl, Leopoldine Kulka, Amelia Sara Levetus oder Maximiliane von Weißenthurn zeichneten in Tageszeitungen und in Kunst- und Frauenrechtszeitschriften ein vielseitiges Bild der Acht Künstlerinnen und ihrer Gäste.
Weder eine Vereinseintragung noch Statuten, die Mitgliedschaft und Verantwortlichkeiten geregelt hätten, konnten bislang nachgewiesen werden. Die Planung und Organisation der Ausstellungen wurde überwiegend von Wisinger-Florian und Eschenburg getragen und erfolgte ausschließlich über persönliche Treffen und Korrespondenz. Die meisten Mitglieder – und auch viele ihrer Gäste – kannten einander bereits lange vor dem Entstehen der Gruppe. Dabei handelte es sich oft um Verwandtschaften, langjährige Bekanntschaften aus der Ausbildung oder Frauenvereinigungen sowie Schülerinnen-Lehrerinnen-Verhältnisse. Nach Johnson bildete der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen Wien einen wichtigen Katalysator für das Formieren der Acht Künstlerinnen: sechs der Gründerinnen und einige Gastkünstlerinnen waren dort Mitglied. Zu den bekanntesten Mitausstellerinnen zählten Käthe Kollwitz, Emilie Mediz-Pelikan, Elza Kövesházi Kalmár, Dora Hitz, Julie Wolfthorn, Hermine Heller-Ostersetzer und die Frauenrechtlerin Rosa Mayreder. Darüber hinaus beteiligten sich unter anderem Hedwig Friedländer, Melanie von Horsetzky, Hermine von Janda, Marie Arnsburg, Louise Benda, Zora von Preradović, Marie Brockhusen und Hella Unger an den Ausstellungen der Gruppe.
Nach derzeitigem Forschungsstand fand die letzte Zusammenkunft der Acht Künstlerinnen und ihrer Gäste im Jahr 1914 bei der 114. Ausstellung des Mährischen Kunstvereines im Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Künstlerhaus in Brünn statt. Dem Ausstellungskatalog ist zu entnehmen, dass hier eine Zusammenarbeit mit dem Radierklub Wiener Künstlerinnen vorlag. Ob sich die Gruppe nach 1914 auflöste oder weiterhin bestand, ist unklar. Im Kunstsalon Pisko – ihrer Stammgalerie, die bereits vor der Gründung der Acht Künstlerinnen mit Olga Wisinger-Florian zusammenarbeitete – stellte die Gruppe nach 1912 jedenfalls nicht mehr aus, was mit dem frühen Tod von Gustav Pisko (1866–1911) zusammenhängen dürfte. Eugenie Breithut-Munk verstarb ebenfalls bereits 1915 und auch die anderen Mitglieder wurden zunehmend älter und waren teilweise gesundheitlich angeschlagen. So verwundert es kaum, dass die 1910 unter der Leitung von Olga Brand-Krieghammer, Ilse Twardowski-Conrat und Helene Krauß – allesamt Mitausstellerinnen bei den Acht Künstlerinnen – gegründete Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) die Acht Künstlerinnen in ihrer Funktion als zentrale Ausstellungsplattform für Frauen ablöste. Beinahe alle Mitglieder und viele der Gastkünstlerinnen schlossen sich der VBKÖ an, ein Drittel von ihnen beteiligte sich an deren erster Schau „Die Kunst der Frau“. Im Gegensatz zu den Acht Künstlerinnen erhielt die administrativ gut organisierte VBKÖ finanzielle Zuwendungen von Staat, Kaiserhaus und Adel und konnte sogar Räumlichkeiten von Secession und Hagenbund nutzen.
verwendete Literatur und Quellen:
Brandow-Faller: An art of their own
Murau: Wiener Malerinnen
Plakolm-Forsthuber: Zwischen Selbstverwaltung und Vermarktung
Zwiener: Die "Acht Künstlerinnen" (1900–1912)