Funktionen und Mitgliedschaften
Biografie
Als Tochter eines Schuhmachers musste Maria Krasa schon in sehr jungen Jahren zum Familieneinkommen beitragen. Sie begann in einer Textilfabrik zu arbeiten. Der Vater war früh in der ArbeiterInnenbewegung aktiv und so kamen auch Maria Krasa und ihre Schwester Minna mit der Sozialdemokratie in Kontakt. Schließlich war Maria Krasa ein Jahrzehnt in der Volksbuchhandlung als Kassierin angestellt.
Als Arbeiterin ergriff sie öffentlich das Wort. Vor 600 Personen sprach sie am 6. August 1893 über die politische Stellung der Frau. Aufgrund eines Heinrich Heine Zitats in dieser Rede wurde sie im November 1893 wegen Herabwürdigung der katholischen Kirche und Polemik gegen den Staat zu acht Tagen Arrest verurteilt. Maria Krasa gehörte zu den frühen Agitatorinnen unter den sozialdemokratischen Frauen in Wien neben Adelheid Popp und Anna Boschek.
Ebenfalls 1893 schickte sie der Arbeiterinnen-Bildungsverein als eine der wenigen delegierten Frauen zum ersten Gewerkschaftskongress, der in Wien stattfand. Weiters war sie 1893 Mitbegründerin des Lese- und Diskutierclub Libertas, sowie im Komitee, das sich zur Gründung der Arbeiterinnen-Zeitung bildete. Von 1894 bis 1900 fungierte sie als Herausgeberin derselben.
1898 auf der ersten sozialdemokratischen Frauenkonferenz in Wien, die gegen den Widerstand der Partei stattfand, war sie eine der Referentinnen. Dazu schrieb sie in der Arbeiterinnen-Zeitung einen offenen Brief: „.. wir wollen alle jene Frauen und Mädchen, die können und wollen heranziehen, sie zu Sozialdemokratinnen erziehen. … Wir haben es satt, immer nur als geduldete Personen oder als Dekorationsstücke in irgendeiner Vertretung zu figurieren. … Wir wollen und können nicht warten, bis die Männer es selbst in die Hand nehmen, die Frauen zu organisieren.“ Im Anschluss an die Konferenz kam es zur Gründung des Frauenreichskomitees, einer damals selbständigen Frauenorganisation.
1900 heiratete sie, zog sich aus der Politik zurück und bekam acht Kinder. In ihren letzten Lebensjahren setzte sie sich für die gewerkschaftliche Organisation der Heimarbeiterinnen ein. Im Mai 1911 verstarb sie an Tuberkulose und hinterließ fünf Kinder im Schulalter. Ihr Begräbnis erfolgte unter großer sozialdemokratischer Anteilnahme, die Grabrede hielt Adelheid Popp.
verwendete Literatur und Quellen:
Krasa: Offener Brief an die Vertretung der Sozialdemokratischen Partei in Niederösterreich. - In: Arbeiterinnen-Zeitung, 7 (1898), 3, 1-2
Marie Nowak-Krasa. - In: Arbeiterinnen-Zeitung 20 (1911) 11, 1-2
Strafprozeß wegen eines Verses von Heine - In: Neue Freie Presse, 46 (1893), 308, 11
Lexikoneinträge
biografiA
Nowak-Krasa Marie, geb. Nowak; Gewerkschafterin und Textilarbeiterin
Geb. Wien, 1. 3. 1874
Gest. Wien, 15. 5. 1911
Laufbahn: Pionierin der Arbeiterinnenbewegung. Von 1894 –1900 Herausgeberin der „Arbeiterinnen-Zeitung“. Im Arbeiterinnen-Bildungsverein und später im Döblinger Wahlverein zur Rednerin ausgebildet.
Ausgewählte Publikationen
Quellen und Sekundärliteratur
Material in Archiven und Sammlungen
- Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-026213 ; TP-036513