Cäcilie Lippa

Namen und Abkürzungen
Lippa, Cilli
Lippa, Cilly
Lippa, Zilli
Geburtsjahr
3.09.1867, Wien
Todesjahr
4.08.1933, Wien
Berufe und Tätigkeiten
Textilarbeiterin, Gewerkschafterin, Politikerin, Parteifunktionärin

Funktionen und Mitgliedschaften

Biografie

Cäcilie Lippa begann ihr Berufsleben als Weißnäherin und kam dabei bald mit der Sozialdemokratischen Bewegung in Kontakt. Sie hielt Reden vor den ArbeiterInnen und setzte sich für eine gewerkschaftliche Organisierung der TextilarbeiterInnen ein. 1899 hielt sie in Hernals im Brauhaus vor 1.500 Frauen eine Rede. Sie wurde Leiterin des Frauenagitationskomitees in Hernals und bei der ersten Frauenreichskonferenz 1898 ins Frauenreichskomitee gewählt.

Im Zentrum ihrer weiteren Tätigkeit stand die gewerkschaftliche Arbeit. Lippa führte bei Streiks wiederholt Verhandlungen mit den Unternehmern. Sie verhandelte um Löhne, Arbeitszeiten usw. 1906 wird sie "Beamtin im Verband der TextilarbeiterInnen" und "Obfrau der Wäschebranche". Damit stand sie als einzige Frau an der Spitze einer Gewerkschaft. Zwischen 1929 und 1932 war sie sozialdemokratische Gemeinderätin in Wien.

biografiA
Lippa: Wie ich Sozialdemokratin wurde. - In: Die Unzufriedene, Nr. 1, 5. Januar 1924, 2-3
M. P. [Marianne Pollak]: Die Geschichte einer Weißnäherin. - In: Das Kleine Blatt, Nr. 214, 5. Oktober 1927, 12

Lydia Jammernegg

Lexikon

biografiA

Lippa Cäcilie, Cilli; Gemeinderätin, Gewerkschafterin und Näherin
Geb. Wien, 3. 9. 1867
Gest. Wien, 4. 8. 1935 (1933?)
Herkunft, Verwandtschaften: C. L. wird am 3. September 1867 in Wien-Hernals geboren. Ihre Eltern betreiben dort ein kleines Geschäft. C. ist das drittälteste Kind, sie hat acht Brüder und zwei Schwestern. Die somit dreizehnköpfige Familie lebt in bescheidenem Wohlstand. Das Herz der Familie ist die Mutter, die C. als gütige, hilfsbereite und energische Frau beschreibt.
Ausbildungen: Cilli, wie sie häufig genannt wird, beginnt im Alter von siebzehn Jahren eine Lehre als Weißnäherin.
Laufbahn: Sie hört bei sozialdemokratischen Versammlungen, die sie mit ihrem späteren Mann, einem Drechslergesellen, besucht, die Reden von Viktor Adler und Anton Schrammel, den späteren Organisator der Chemiearbeiter. 1892 hört sie bei einer sozialdemokratischen Veranstaltung ein Referat über die Frau und den Sozialismus und hält spontan ihre erste Rede, die 45 Minuten dauert und ein großer Erfolg ist. Nach diesem ersten öffentlichen Auftritt spricht sie bei Zusammenkünften der Metallarbeiter, der keramischen Arbeiterinnen und der TextilarbeiterInnen in Wien und in der Provinz. 1892 gründet C. L. die gewerkschaftliche Organisation der Wäsche-, Krawatten- und MiedererzeugerInnen, die sich später dem Verband der TextilarbeiterInnen angeschlossen hat. An den ersten Wiener Maifeiern am 1. Mai 1890 nimmt C. L. teil und überredet auch zahlreiche Fabrikarbeiterinnen zur Teilnahme. 1894 wird sie zur Leiterin des Hernalser Frauenagitationskomitees bestimmt, sie war einige Jahre als zweite Obfrau im Arbeiterbildungsverein tätig und ist 1895 bei der ersten Frauenreichskonferenz zur Vorsitzenden des Frauenreichskomitees gewählt worden. 1897 hört die sozialdemokratische Gewerkschafterin im Hotel Wimberger eine Wahlrede des populären christlichsozialen Karl Lueger und kritisiert ihn in dieser hauptsächlich von Christlichsozialen besuchten Massenveranstaltung vom Podium aus. Der Entrüstungssturm der ZuhörerInnen war daraufhin so heftig, dass die junge Frau nur unter Polizeischutz das Lokal verlassen kann. Ihre weitere Parteitätigkeit besteht hauptsächlich in gewerkschaftlicher Arbeit. Bezeichnend für diese Arbeit ist der große Kampf im Jahre 1903, den sie um die Abschaffung des Dienstbotenunwesens in den Wäschereien und Wäscheputzereien führte. Es waren bei manchen Firmen zehn bis zwölf „Dienstmädchen“ eingestellt, die als gewerbliche Arbeiterinnen verwendet worden sind. Der Kampf führte zum Streik der Arbeiterschaft und wurde erfolgreich beendet. Dieses Ausbeutungssystem war abgeschafft. 1906 wurde von der Arbeiterschaft der Wäschefabriken Wiens die Einführung der neunstündigen Arbeitszeit und der freie Samstagnachmittag mit Bezahlung gefordert. Trotz des Widerstandes der Unternehmer setzten die ArbeiterInnen ihre Forderungen mittels eines sechswöchigen Streikes durch. Im selben Jahr wird C. L. Beamtin im Verband der TextilarbeiterInnen und Obfrau der Wäschebranche, sie ist zu ihrer Zeit die einzige Frau, die an der Spitze einer Gewerkschaft steht. 1920 wird C. L. in den Landtag gewählt, 1929 bis 1932 ist sie Wiener Stadt- und Gemeinderätin, ihren Sitz im Landtag hat sie bis 1930. C. L. stirbt am 4. August 1935 in Wien (lt. Paul Pasteur im Jahre 1933).
W.: „Wie ich Sozialdemokratin wurde. In: Die Unzufriedene, 5. 1. 1924“

Karin Nusko

Publikationen

Lippa, Cäcilie: Wie ich Sozialdemokratin wurde - In: Die Unzufriedene / Eigentümerin, Verlegerin, Herausgeberin und verantwortliche Redakteurin: Eugenie Brandl; ab 1930,25: Paula Hons; ab 1930,32: Eigentümerin, Verlegerin, Herausgeberin: Eugenie Brandl. Verantwortliche Redakteurin: Paula Hons , Nr. 1 , 5. Januar 1924 , 2-3
Online Zugriff / ÖNB 600447-C.Neu-Per
Lippa, Cilli: Die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Frauen und Mädchen in der Weißwäscheerzeugung - In: Arbeiterinnen-Zeitung / hrsg. von Rudolf Pokorny u. Viktor Adler; ab 1893,1: Viktoria Kofler; ab 1894,9: Maria Krasa; ab 1900,3: Anna Boschek; ab 1919,22: Adelheid Popp. Für die Redaktion verantwortlich: Adelheid Popp-Dworak, ab 1919,22: Eugenie Brandl , Nr. 3 , 1903
Online Zugriff / ÖNB 394591-D.Neu-Per
Lippa, Cilly: Die Krawattennäherinnen - In: Arbeiterinnen-Zeitung / hrsg. von Rudolf Pokorny u. Viktor Adler; ab 1893,1: Viktoria Kofler; ab 1894,9: Maria Krasa; ab 1900,3: Anna Boschek; ab 1919,22: Adelheid Popp. Für die Redaktion verantwortlich: Adelheid Popp-Dworak, ab 1919,22: Eugenie Brandl , Nr. 2 , 1898 , 3-4
Online Zugriff / ÖNB 394591-D.Neu-Per

Quellen und Sekundärliteratur

Die Frage der Frauenarbeit auf dem Gewerkschaftskongreß - In: Die Rote Fahne , Nr. 148 , 24. Juni 1928 , 8
Online Zugriff / ÖNB 535706-D.Neu-Per
Der 60. Geburtstag Cilli Lippas - In: Die Frau / Hrsg.: Adelheid Popp. Für die Red. verantw.: Eugenie Brandl , Nr. 11 , 1927 , 6-7
Online Zugriff / ÖNB 394591-D.Neu-Per
Cäcilie Lippa sechzig Jahre alt - In: Arbeiterzeitung / Sozialdemokratische Partei Österreichs , Nr. 271 , 4. Oktober 1927 , 4
Online Zugriff / ÖNB 393854-E.Neu-Per
Die Frauen demonstrieren : gewaltige Protestkundgebungen gegen den neuen §144 - In: Arbeiterzeitung / Sozialdemokratische Partei Österreichs , Nr. 279 , 12. Oktober 1927 , 7
Online Zugriff / ÖNB 393854-E.Neu-Per
Gewerkschaftsvertreterinnen im neuen Wiener Gemeinderat - In: Frauenarbeit / Hrsg. Referat für Frauenarbeit / Österreichischer Arbeiterkammertag und Österreichischer Gewerkschaftsbund. Red. Käthe Leichter , Nr. 9 , 1932 , 317
ÖNB 606270-C.Neu-Per
Frauenarbeit und Gewerkschaften - In: Arbeiterzeitung / Sozialdemokratische Partei Österreichs , Nr. 172 , 22. Juni 1928 , 5-6
Online Zugriff / ÖNB 393854-E.Neu-Per
Das Reichskomité - In: Arbeiterinnen-Zeitung / hrsg. von Rudolf Pokorny u. Viktor Adler; ab 1893,1: Viktoria Kofler; ab 1894,9: Maria Krasa; ab 1900,3: Anna Boschek; ab 1919,22: Adelheid Popp. Für die Redaktion verantwortlich: Adelheid Popp-Dworak, ab 1919,22: Eugenie Brandl , Nr. 10 , 1898 , 4
Online Zugriff / ÖNB 394591-D.Neu-Per
Nationalisierung und Frauenarbeit : zwei Debatten auf dem Gewerkschaftskongreß - In: Arbeiterzeitung / Sozialdemokratische Partei Österreichs , Nr. 172 , 22. Juni 1928 , 3-5
Online Zugriff / ÖNB 393854-E.Neu-Per

Material in Archiven und Sammlungen

  • Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-030385
  • VGA Wien, Personenarchiv, Cilli Lippa Lade 21, Mappe 73

Links