Sophie Grünfeld

Namen und Abkürzungen
Grünfeld, Sofie
Schneider, Sophie (Geburtsname)
Geburtsjahr
7.04.1856, Wien
Todesjahr
1946, Washington (USA)
Berufe und Tätigkeiten
Fürsorgerin, Vereinsfunktionärin

Funktionen und Mitgliedschaften

Verein Ferienheim, Wien: Mitbegründerin, Vizepräsidentin
Österreichisches Kaiser Franz Joseph-Seehospiz, Wien: Vorsitzende
Österreichisches Seehospiz in Grado: Leiterin

Biografie

Sophie Grünfeld, 1856 als Sophie Schneider geboren, war Philanthropin und wichtige Person in der jüdischen Wohlfahrtsarbeit, in der sie sich in der Armenhilfe und Kinderfürsorge engagierte.

Gemeinsam mit Antonie Graf gründete sie das Kaiser Franz Josef-Ferienheim, einen der mitgliederstärksten jüdischen Frauenvereine Wiens, der ab 1892 zahllosen bedürftigen jüdischen Kindern Ferien und Erholung am Land ermöglichte, zuerst in Tischnowitz bei Brünn, das 1916 in ein Kriegsspital für Offiziere umgewidmet wurde, nach dem Zusammenbruch der Monarchie in Mühlhof bei Bad Vöslau, später kam das Seehospiz für an Tuberkulose erkrankte Kinder in Grado hinzu. Der von ihr mit viel Leidenschaft geführte Verein war Mitglied im Bund Österreichischer Frauenvereine.

Im Verband „Weibliche Fürsorge“, der auf ihre gemeinsame Initiative mit Clotilde Benedikt, Regine Ullman, Rosa Schur, Hermine Kadisch, Helene Kuranda, Margarethe Grunwald und Charlotte von Königswarter ab 1914 die Fürsorgeaktivitäten jüdischer Frauenwohlfahrtsvereine im Ersten Weltkrieg koordinierte, übernahm Sophie Grünfeld Ausspeisungen und Kleidersammlungen in Wien. Jüdische Flüchtlinge aus Galizien und Bukowina unterstützte sie im Rahmen der Flüchtlingshilfe, deren Verantwortung die Regierung auf jüdische Wohlfahrtsorganisationen übertrug.

Ihr Ansatz war ein zeitgenössisch innovativer, Armenhilfe verstand sie nicht als Verteilung von Almosen, sondern realisierte Projekte, die unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ die Betroffenen befähigen sollten: so gründete sie etwa 1917 eine Schule für Flickschusterei für Mädchen, die zudem darin ausgebildet wurden, andere in dieser Arbeit – einem neuen Frauenberuf – zu unterweisen.

Sie war verheiratet mit dem Arzt Josef Grünfeld, der bereits 1910 starb und mit dem sie einen Sohn und drei Töchter hatte. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Sophie Grünfeld im Alter von 82 Jahren aus Wien 1938 flüchten, sie ging in die USA, wo sie 1945 Staatsbürgerin wurde und wenig später in Washington starb.

Für ihre wohltätige Arbeit wurde ihr viel Anerkennung gezollt, u.a. in Form des Elisabeth-Ordens oder des Offizierskreuzes des Roten Kreuzes, das vor ihr nur einer Frau, ihrer engen Weggefährtin Marianne Hainisch, verliehen wurde.

Malleier: Zur Verschränkung jüdischer, frauenbewegter und nationaler Identitäten. - In: Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst 56 (2001) 4, 10-17

Andrea Gruber

Lexikon

biografiA

Grünfeld Sophie, geb. Schneider; Fürsorgerin und Vereinsfunktionärin
Geb. Wien, 7. 4. 1856
Gest. USA, 1953
LebenspartnerInnen, Kinder: 1874 Heirat mit Josef Grünfeld, Arzt.
Laufbahn: 1892 Mitbegründerin und Leiterin des Vereins „Ferienheim“ (Verein für israelit. Kinderkolonien), der für bedürftige jüdische Kinder Ferienaufenthalte organisierte. Er unterhielt u. a. Heime in Tischnowitz (TiŠnov) bei Brünn und im Mühlhof in Vöslau und war auch am Seehospiz Grado beteiligt.

Österreichisches biographisches Lexikon

Grünfeld Sophie, geb. Schneider, Gründerin eines Wohlfahrtsvereines. * Wien, 7. 4. 1856; + U.S.A., nach 1938. Seit 1874 mit Dr. med. Josef G. verheiratet. G. gründete und leitete den Ver. "Ferienheim", der seit 1892 stark besuchte Ferienheime für bedürftige israelit. Kinder, meist Waisen, in verschiedenen Orten führte, u.a. in Tischnowitz b. Brünn, im Mühlhof in Vöslau und Jahrzehnte hindurch im Seehospiz in Grado. Ehrenmitgl. des Ver. 1938 emigierte sie nach Amerika, wo sie einige Jahre später starb.

Quellen und Sekundärliteratur

Urban, Gisela : Sophie Grünfeld [80. Geburtstag] - In: Die Österreicherin / hrsg. vom Bund österreichischer Frauenvereine. Für die Schriftleitung verantw.: Eugenie Palitschek; ab 1932,8: Marianne Hönig; ab 1932,9: Ernestine Fürth , Nr. 4 , 1936 , 2
Online Zugriff / ÖNB 609120-C.Neu-Per
Rosenmann, M. : Präsidentin Sofie Grünfeld zu ihrem 70. Geburtstag - In: Die Wahrheit / Union Deutschösterreichischer Juden , Nr. 17 , 1926 , 8
Online Zugriff / ÖNB 406156-D.Neu-Per

Material in Archiven und Sammlungen

  • Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-016958