Vilma Glücklich

Namen und Abkürzungen
Glücklich, Wilma
Geburtsjahr
1872, Vágújhely
Todesjahr
18.08.1927, Wien
Berufe und Tätigkeiten
Lehrerin, Vereinsfunktionärin

Funktionen und Mitgliedschaften

Verein der Feministen Mitbegründerin, Vorsitzende

Biografie

Vilma Glücklich wird am 9. August 1872 in Vágujhely (Nové Mesto, heutige Slowakei) in eine intellektuelle jüdische Familie geboren. Ihr Vater, der ein Lehrer ist und ihre Mutter, die aus der gebildeten Oberschicht stammt, bemühen sich um eine gleichberechtigte Ausbildung ihrer vier Kinder, die in Budapest aufwachsen. Nach der Volksschule erhält Glücklich Privatunterricht, sodass sie die Hochschulreife erlangt. Nach der Matura, sie spricht bereits zu diesem Zeitpunkt Ungarisch, Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch, arbeitet sie als Grundschullehrerin in Fiume (Kroatien).

Mit der (Teil-)Öffnung der Universität für Frauen geht sie 1896 zurück nach Budapest. Sie vollendet ihre Studien in Mathematik und Physik und erlangt als erste Frau in Ungarn einen Abschluss an der Philosophischen Fakultät. Ab 1898 arbeitet sie wieder als Grundschullehrerin in Budapest. 1914 ist sie als Gymnasiallehrerin tätig, doch nach wenigen Monaten geht sie wieder zurück an die Grundschule. Durch ihre langjährige Erfahrung als Lehrerin und ihre intensive Beschäftigung mit unterschiedlichsten theoretisch-pädagogischen Ansätzen ist sie davon überzeugt, dass sie in der Grundschule mehr für die Erziehung und Unterstützung junger Mädchen bewirken kann. Nachdem sie sich u.a. von 1913 bis 1917 für Országos Polgári Iskolai Tanáregyesület (Verein der Grundschullehrer) engagiert hat, wird sie 1917 zur Direktorin befördert. Zusätzlich publiziert Vilma Glücklich über gewaltfreie, gleichberechtigte Erziehung in öffentlichen Institutionen und setzt sich aktiv auf Verwaltungsebene für dieses Ziel ein.

Neben Rosika Schwimmer ist Vilma Glücklich eine der wesentlichsten Protagonistinnen der ungarischen Frauenbewegung. Beide kämpfen sie für gleiche Rechte und Bildungszugänge für beide Geschlechter. 1902 wird Vilma Glücklich zum Vorstandsmitglied von Nötisztviselök Országos Egyesülete (NOE, Landesverein der Weiblichen Angestellten) gewählt. 1904 gründet sie mit Schwimmer den Feministák Egyesülete (FE, Verein der Feminsten), der bis zum ersten Weltkrieg eine dominierende Frauenvereinigung in Ungarn ist: 1917 zählt der Verein 2947 Mitglieder. Glücklich ist lange Zeit Präsidentin des Vereins.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschlechtert sich nicht nur die Situation des FE, vielmehr auch Vilma Glücklichs persönliches Leben. Traumatisiert und desillusioniert verlagert sich ihr Engagement zunehmend auf pazifistische Forderungen, um dem Treiben des Krieges Einhalt zu gebieten. So beteiligt sie sich am Internationalen Frauenfriedenskongress, der vom 28. bis 30. April 1915 in Den Haag stattfindet und aus dem in Folge 1919 die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) hervorgeht. Nach dem Ersten Weltkrieg engagiert sie sich als eine von zwei Frauen für die lokale Politik in Budapest, verliert aber durch lautstarken Protest gegen das autoritäre Horthy Regime 1921 ihren beruflichen wie auch ihren politischen Posten. Sie wird aus ihrer Lehrerinnenanstellung ohne Rente entlassen. Mit ihrer Emigration 1922 nach Zürich wird sie zur Generalsekretärin des IFFF in der Hauptzentrale in Genf, wo sie sich weiter für Friedens-, Gleichberechtigungsbelange und dem Umgang mit Kriegstraumata engagiert.

1925 kehrt sie nach Ungarn zurück, wo sie sich wiederum dem geschwächten FE annimmt, bis sie aufgrund ihrer körperlichen Verfassung nach Wien zieht und dort am 18. August 1927 im Rudolfspital nach langer Krankheit stirbt. Anlässlich ihres Todes organisiert der FE eine Gedenkveranstaltung, die international Aufmerksamkeit erregt. Noch lange Zeit nach ihrem Tod wird sie international rezipiert und ihr Engagement für die Frauen ihrer Zeit gewürdigt.

Papp: Die Frauenbewegung in Ungarn. - In: Freiburger FrauenStudien (2001) 11, 211-231
Zimmermann: Glücklich, Vilma (1872-1927). - In: A biographical dictionary of women's movements and feminisms
Zimmermann: Die bessere Hälfte?

Susanne Rettenwander

Quellen und Sekundärliteratur

Szapor, Judith : Who represents Hungarian women? : the demise of the liberal bourgeois women’s rights movement and the rise of the rightwing women’s movement in the aftermath of World War I - In: Aftermaths of war : women's movements and female activists, 1918 - 1923 / ed. by Ingrid Sharp ; Matthew Stibbe - Leiden [u.a.]: Brill, 2011 , 245-264
ÖNB 1954193-C.Neu
Papp, Claudia : Die Frauenbewegung in Ungarn : organisationsgeschichtliche Aspekte für die Jahre 1918 bis 1941 - In: Freiburger FrauenStudien : FFS / Hrsg.: Zentrum für Anthropologie und Gender Studies (ZAG) , Nr. 11 , 2001 , 211-231
Online Zugriff / ÖNB 1650417-B.Neu-Per

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