Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft Heimhof

Namen und Abkürzungen
Heimhof - gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft, Wien
Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft "Heimhof", Wien
Heimhof Frauenwohnheim
Gründung
1909
Auflösung
1972
Sitz
Wien 19, Peter Jordan Straße 32-34
Wien 15, Wurmsergasse / Pilgerimgasse 22-24

FunktionärInnen und Mitglieder

Historischer Überblick

Die Sozialistin Lily Braun entwarf 1901 in ihrer Schrift „Frauenarbeit und Hauswirtschaft“ Ideen zur Vergenossenschaftlichung und Zentralisierung der Hausarbeit. Umgesetzt werden könnten diese Ideen durch die zentrale Organisierung von Kochen, Waschen, Aufräumen und Kinderbetreuung in großen Wohnhäusern. Brauns Idee war die Zentralküche – daher der Begriff "Einküchenhaus" –, das Essen und die Gemeinschaftsräume über die Einsparungen durch den Wegfall der Küchen in den einzelnen Wohnungen zu finanzieren. Der monetäre Aufwand sollte auch für ArbeiterInnen leistbar sein, Genossenschaften die Finanzierung und Organisation gewährleisten.

Rosika Schwimmer meinte 1909, dass die Frauenbewegung auch in diesem Bereich Pionierarbeit zu leisten habe, die von der Sozialdemokratie nicht wahrgenommen werde. In Wien war es die bürgerliche Frauenrechtsaktivistin Auguste Fickert, welche die Idee des Einküchenhauses aufgriff und gemeinsam mit AkteurInnen aus der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung und Wirtschaft 1909 die Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft Heimhof gründete. Im selben Jahr publizierte die Zeitschrift „Neues Frauenleben“ einen „Aufruf zur Schaffung eines Einküchenhauses“ für Staatsbeamtinnen. Die österreichische Regierung stellte einen zinsenlosen Bankkredit in der Höhe von 90% der Gesamtkosten des Bauvorhabens von 300.000 Kronen zur Verfügung.

1911 war der Heimhof für ledige erwerbstätige Frauen in der Peter-Jordan-Straße im 18. Wiener Bezirk mit 70 Ein- und Zweizimmerwohnungen in einem dreistöckigen Haus fertiggestellt. Im Souterrain war die Zentralküche und der Speisesaal untergebracht, wo die Bewohnerinnen essen oder über einen Speisenaufzug dieses in die Wohnung mitnehmen konnten. Die Hausarbeiten - nicht nur Kochen, sondern auch Wäsche und Reinigung der Wohnung - wurden von angestelltem Personal verrichtet und von den Mieterinnen zugekauft. An Gemeinschaftsräumen standen Etagenbäder, die Bibliothek, ein Lesezimmer, der Garten und die Dachterrasse zur Verfügung. Auch moderne technische Einrichtungen wie Zentralheizung, Staubsauganlage und Müllschacht waren vorhanden. Schon vor der Eröffnung des Frauenwohnheimes gab es Kritik an der Höhe der Mieten, die sogar für Beamtinnen schwer leistbar seien. Innerhalb der Frauenbewegung wurde das Frauenwohnheim über Österreich hinaus als erfolgreiches emanzipatorisches Wohnmodell rezipiert, das Frauen von Haus- und Reproduktionsarbeit befreite und teilweise eine Selbstverwaltung ermöglichte.

Ein zweiter Heimhof wurde in den Jahren 1921 bis 1923, ebenfalls von der Gemeinnützigen Bau- und Wohnungsgenossenschaft Heimhof als Bauträger, für Ehepaare und Familien errichtet. 24 Kleinwohnungen entstanden in der Pilgerimgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk. Nach finanziellen Schwierigkeiten der Genossenschaft in den 1920er Jahren übernahm die Gemeinde Wien dieses Haus in ihr Eigentum und baute dieses bis 1927 zu einem Gebäudekomplex mit ca. 250 Wohnungen und einem Kindergarten aus. Die Verwaltung blieb bis 1934 bei der Heimhofgenossenschaft. Im Zuge von Austrofaschismus und Nationalsozialismus wurden die Gemeinschaftsbereiche aufgelöst und alle Wohnungen mit Küche und Bad ausgestattet.

1934, mit dem Austrofaschismus, wurde die Genossenschaft überwacht, mit der Begründung, dass Mitglieder der Genossenschaft in Verbindung zur Sozialdemokratie stünden. Lucia Wieger schreibt, dass im Frauenwohnheim im 18. Bezirk laut einer ehemaligen Bewohnerin bis in die 1960er Jahre die Zentralküche in Betrieb war und genutzt wurde. Die Genossenschaft bestand bis 1972 und wurde dann mit der Gemeinnützigen Wohn- und Siedlungsgenossenschaft „Volksbau“ zusammengelegt, die das Haus in der Peter Jordan Straße weiterverkaufte. In weiterer Folge kam es zu Wohnungszusammenlegungen und den Einbau von Küchen und Bädern.

verwendete Literatur und Quellen:

Aufruf zur Schaffung eines Einküchenhauses - In: Neues Frauenleben, 21 (1909), Nr. 5, 117-119
Braun: Frauenarbeit und Hauswirtschaft
Schwimmer: Neue Heimkultur
Wieger: Kollektiv leben im Einküchenhaus. - In: fernetzt
Wieger: Wie Frauen wohnten

verfasst von: Lydia Jammernegg

Ausgewählte Publikationen

Statuten der Bau- und Wohnungsgenossenschaft "Heimhof" - In: Die Postanstaltsbeamtin, Jg. 1 (1909), Nr. 11, 65-68
Online Zugriff / ÖNB 462949-D.Neu-Per

Quellen und Sekundärliteratur

Aigner, Heidrun: Das Einküchenhaus Heimhof auf der Schmelz Zum Potential queer/feministischer Zwischenräume - In: Orts-Erkundungen : der Stadt auf der Spur - Wien: Verl. der Inst. für Europ. Ethnologie, 2012, 135-152
ÖNB 1012599-B.Neu-Per.34
Der Heimhof [von und für Frauen gegründete Bau- und Wohnungsgenossenschaft] - In: Der Bund, Jg. 6 (1911), Nr. 8, 14-15
Online Zugriff / ÖNB 442258-B.Neu-Per
Hirsch, Bettina: Die Hausfrau im Einküchenhaus : Selbsterlebtes aus der Pilgerimgasse - In: Das Kleine Blatt, Nr. 168, 20. August 1927, 11-12
Online Zugriff / ÖNB 608331-D.Neu-Per

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