Julia Thenen

Namen und Abkürzungen
Thenen, Julia (Ehename)
Waldberg, Julie (Geburtsname)
Geburtsjahr
4.09.1833, Lemberg
Todesjahr
12.10.1919, Wien
Berufe und Tätigkeiten
Schriftstellerin

Funktionen und Mitgliedschaften

Biografie

Über das Leben von Julie Thenen ist nicht viel bekannt. Sie wird 1833 in Lemberg geboren, heiratet den Kaufmann Isak Thenen, lebt danach in Galizien und seit Beginn der 1880er Jahre in Wien.

Sie kann sich - wahrscheinlich vermögend - bereits ab 1860 schriftstellerisch betätigen und schreibt Skizzen und Humoresken in Tagesblättern. Später erscheinen teilweise schonungslose Schilderungen der jüdischen Sitten und Gebräuche. Bekannt wird sie vor allem durch ihr Buch "Der Wunder-Rabbi", in dem sie über Aberglauben, Intrigen und materielle Gier im Leben einer chassidischen Gemeinde erzählt. In diesem Roman und auch in ihren Novellen kritisiert sie die Unterdrückung der Frauen im orthodoxen Ost-Judentum.

Julie Thenen war Gründungsmitglied des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien.

Baumgartner: Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien

Helga Hofmann-Weinberger

Lexikon

Friedrichs

THENEN, geb. Waldberg, Julie
geb. 4.9.1834 (nicht 1835) in Lemberg
gest. 12.10.1919 in Wien
Vater jüdischer Kaufmann J. Waldberg. Geh. 1851 nach Galizien, lebte später in Wien.

Österreichisches biografisches Lexikon

Thenen, Julie; geb. Waldberg (1833–1919), Schriftstellerin

Thenen Julie, geb. Waldberg, Schriftstellerin. Geb. Lemberg, Galizien (L’viv, UA), 4. 9. 1833; gest. Wien, 12. 10. 1919; mos. Tochter des Rabb. Yoel Waldberg, Schwester des 1875 geadelten Bankiers Moses v. Waldberg (1833–1901) und des Rabb. Samuel Waldberg, Tante des Dramatikers und Librettisten Heinrich Frh. v. Waldberg (geb. Jassy/Iași, RO, 2. 3. 1860; gest. Ghetto Theresienstadt, Protektorat Böhmen und Mähren/CZ, 19. 10. 1942) und des Germanisten Max Frh. v. Waldberg (geb. Jassy, 1. 1. 1858; gest. Heidelberg, Dt. Reich/D, 6. 11. 1938), Mutter von Marie Jacobso(h)n-T. (geb. Lemberg, 30. 9. 1852; gest. Wien, 11. 9. 1918) und Julius T. (geb. Tyśmienica, Galizien / Tysmenycja, UA, 11. 4. 1857; gest. Wien, 10. 4. 1923), Großmutter des Rechtsanwalts und Botanikers Salvator Max (Jacobsón-)T. (geb. Körmend, H, 25. 2. 1872; gest. London, GB, 1948); ab 1851 mit Isak T. (geb. Tyśmienica, 28. 1. 1833; gest. Aussee/Bad Aussee, Stmk., 24. 6. 1907), Chef der Fa. Brüder T. in Galatz (Galați), verheiratet. – T. wuchs in Lemberg auf und lebte nach ihrer Heirat in Tyśmienica, wo sie unter dem Einfluss liberaler Kreise im Selbststud. ihre Bildung vertiefte. Die Familie T. ließ sich um 1871 in Wien nieder. Dort begann T. Skizzen, Humoresken und Erz. über das jüd. Leben in Galizien in Tagesztg. und Z. zu veröff. In ihrem Roman „Der Wunder-Rabbi“ (1880) beschreibt sie Aberglaube und Obskurantismus im chassid. Zadik-Kult. Nach Ablehnung durch die jüd.-österr. Z. „Die Neuzeit“ wurde er schließl. in Wien verlegt und sorgte bei seinem Erscheinen für Aufregung, die weniger mit der literar. Qualität als vielmehr mit dem Inhalt des Werks zu tun hatte, der die scharfe antisemit. Polemik zu bestätigen schien. In der 1881 erschienenen Erz. „Fräulein Doctor im Irrenhause“, die als ausgez. psycholog. Stud. gelobt wurde, wandte sie sich dem Thema „Frauenemancipation“ zu. T. fand Zugang zum Kreis liberaler Schriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen um Ida Barber und war 1885 maßgebl. an der Gründung des Ver. der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien beteiligt. Sie warb die ersten Mitgl. an und stellte das Gründungskomitee zusammen, dem Schriftstellerinnen wie Betty Paoli (→Babette Elisabeth Glück), →Marie Freifrau Ebner v. Eschenbach, →Marie v. Najmájer, →Wilhelmine Kautsky, →Auguste v. Littrow u. a. angehörten. 1885–87 war T. Mitgl. des Ver.vorstands. 1907 errichtete sie mit einer Einlage von 500 Kronen den sog. T.-Fonds, der als Grundstock eines Darlehens- und Unterstützungsfonds für in Not geratene Künstlerinnen gedacht war. T. fungierte 1893 als Schatzmeisterin des Dt. Schriftstellerverbands in Wien und war Mitgl. der Genossenschaft Schriftstellerhaus. Gem. mit ihrer Tochter Marie und ihrem Enkel lebte sie bis 1912 im Josefstädter „Sternwartehaus“ von →Theodor v. Oppolzer.

Nigg

Thenen Julie, geb. am 4. September 1835 in Lemberg, lebt in Wien und ist Mitarbeiterin verschiedener Tagesblätter, als: "Die schöne, blaue Donau" u.a. (...) Sie ist auch Schatzmeisterin des deutschen Schriftstellerverbandes.

Pataky

Thenen, Frau Julie, Wien VIII, Alserstrasse 25, geboren am 4. September 1835 in Lemberg, vermählte sich 1852, seit welcher Zeit sie auch schriftstellerisch tätig ist. Sie veröffentlichte Skizzen und Humoresken in Tagesblättern, ferner Schilderungen jüdischer Sitten und Gebräuche.

Eisenberg

Thenen, Julie, Schriftstellerin, geb. in Lemberg am 4. September 1835, vermählte sich bereits im Jahre 1852, seit welcher Zeit sie sich ungehindert ihren literarischen Neigungen hingeben kann. Seit 1860 ist sie schriftstellerisch tätigund veröffentlichte Skizzen und Humoresken in Tagesblättern. Später erschienen von ihr Schilderungen der jüdischen Sitten und Gebräuche, in welchen sie rücksichtslos, aber objektiv vorging. Ein Teil ihrer Publikationen verfehlte nicht, auf energischen Widerspruch zu stossen, wie sie andererseits teilnehmendes Verständnis unter ihren Lesern fand. Seit einigen Jahren in Wien ansässig, erschienen von T. im Buchhandel: "Der Wunder-Rabbi" (Roman, 1880), "Fräulein Doktor im Irrenhause" (Begebenheit aus unserer Zeit, 1881), "Der Sohn der Schrift" (Novelle, 1883), "Die Wundertäter von Kotzk und Plotzk" (Novellen, 1883). VIII., Alserstraße 25.

Publikationen

Thenen, Julie: Fräulein Doktor im Irrenhause : eine Begebenheit aus unserer Zeit / - Wien: Rosner, 1881
Online Zugriff / ÖNB 66892-B.Neu
Thenen, Julie: Der Wunder-Rabbi / - Wien: Rosner, 1880
ÖNB 185136-B.Neu
Thenen, Julie: Der Sohn der Schrift : die Wunderthäter von Kotzk und Plotz : zwei Novellen / - Wien: Rosner, 1883
ÖNB 24164-A.Neu

Quellen und Sekundärliteratur

Links