Hilde Kotanyi

Namen und Abkürzungen
Kotanyi, Hilda
Kotányi-Pollack, Hilde
Kottany, Hilde
Pollak-Karlin, Hilde
Pollak-Kotanyi, Hilde (Ehename)
Geburtsjahr
2.11.1875, Wien
Todesjahr
1943, KZ Dachau
Berufe und Tätigkeiten
Malerin, Kunstgewerblerin

Funktionen und Mitgliedschaften

Biografie

Hilde Kotanyi stammt aus einer kinderreichen jüdischen Familie. Sie nimmt Malunterricht in Wien und München bei Christian Landenberger und beteiligt sich an Ausstellungen. Ihren Mann Richard Pollak-Karlin lernt sie beim Malstudium in Wien kennen und findet durch ihn Zugang zur Theosophie und zur Anthroposophie Rudolf Steiners.

Sie ist im Vorstand der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs und unterhält eine Mal- und Zeichenschule für Damen in Wien.

Mit ihrem Mann arbeitet sie in Dornach bei Basel im Goetheanum an der Ausarbeitung des Kuppelgemäldes. Sie ist zuerst Malerin, beginnt dann zu zeichnen, erarbeitet Textilentwürfe und widmet sich schließlich, nach der Übersiedlung des Ehepaars nach Prag 1915, der Stickerei, in der sie zu einer neuen Ausdrucksform findet. 1927 werden ihre Arbeiten in Dornach ausgestellt, später auch in Prag.

Beim Einmarsch von Hitlers Truppen in Prag wird sie verhaftet und nach Theresienstadt transportiert, später in Dachau ermordet.

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler
Forschungsstelle Kulturimpuls

Helga Hofmann-Weinberger

Lexikon

biografiA

Pollak-Kotányi Hilde; Malerin und Kunstgewerblerin
Geb. Wien, 2. 11. 1874
Gest. Dachau, Deutsches Reich (Deutschland), 1943
Herkunft, Verwandtschaften: Stammte aus einer jüdischen Budapester Familie mit vielen Geschwistern. Gattin des Malers Richard Pollak, den sie in Wien während ihres Malstudiums kennen lernte.
Ausbildungen: Studium bei Imre Révécs in Wien und Christian Landenberger in München. Erst lernte sie Malerei, dann zeichnete sie mit Kohle und Kreide, und schließlich mit Bleistift, bevor sie zu sticken anfing.
Laufbahn: Genre- und Porträtmalerin sowie Kunstgewerblerin (bzw. Stickkünstlerin). Sie stickte auch Porträts und entwickelte ihre Kunst der Stickerei sehr originell weiter. Sie benutzte den Stoffgrund als Ausdrucksmittel mit. Auch die Veränderung des Lichteinfalls durch Variation der Stickrichtung verwendete sie als Kunstmittel; ihre Kunstwerke sind von außerordentlich hoher Ausdruckskraft. Schülerin von Imre Révész; sie stellte in Wien und Budapest wiederholt aus. Ab 1899 tätig in Wien, wo sie die Ausstellungen des Wiener Künstlerhauses in den Jahren von 1899 –1901, des Aquarellistenklubs im Jahre 1902 und des Hagenbundes in den Jahre 1905 und 1906 mit impressionistisch gemalten Gemälden beschickte. Auch machte sie sich einen Namen durch ihre Entwürfe für Teppiche und Textilien und leitete in Wien eine Mal- und Zeichenschule für Damen. An der Ausführung der Kuppelgemälde im alten Goetheanum zu Dornach war sie auch beteiligt, wo sie mit ihrem Mann seit 1914 lebte. Ab 1930 war sie meist in Prag tätig. Durch ihren Gatten lernte sie die Theosophie kennen und wurde 1906 Mitglied der Deutschen Abteilung der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner und dessen Frau Marie begeisterten sich für ihre Arbeiten. 1915 ergriff sie die Initiative, für die erste eurythmisch-dramatische Aufführung von Fausts „Himmelfahrt“ ein Programmplakat zu malen. Von da an wurden die gemalten Programme ein fester Bestandteil der künstlerischen Veranstaltungen der Dornacher Bühnengruppe. 1920 zog sie mit ihrem Mann nach Prag, wo sie sich einen Namen als Stickkünstlerin machte. Ausstellungsbeteiligung in Prag und Dornach. Nach Einmarsch von Hitlers Truppen in die Tschechei wurde sie verhaftet und nach Theresienstadt verschleppt, wo sie auch noch über die Anthroposophie sprach. Sie arbeitete für Munitionslieferungen und starb in den Gaskammern des Lagers Dachau im Jahre 1943.
Ausz., Mitglsch.: 1910 ordentliches Mitglied der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs; ab 1914 Vorstandsmitglied der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs.

Megan Brandow-Faller

Quellen und Sekundärliteratur

Links