Anna Grün

Geburtsjahr
21.09.1889, Hamburg
Todesjahr
9.06.1962, Wien
Berufe und Tätigkeiten
Sozialarbeiterin, Funktionärin der KPÖ

Biografie

Anna Grün - in Deutschland geboren - kommt bereits in ihrer Jugend mit der sozialdemokratischen Bewegung in Kontakt. 1918 beteiligt sie sich mit ihrem Mann an der Gründung der Kommunistischen Partei Österreichs und gehört fortan zu den leitenden Persönlichkeiten. Sie setzt sich neben Anna Strömer in den 1920er Jahren für eine kommunistische Frauenpolitik ein.

1926 geht sie nach Berlin und arbeitet in der Polizeidirektion als Sozialarbeiterin. 1933 emigriert sie über die Schweiz nach Frankreich, wo sie als Vertreterin Österreichs in dere internationalen Frauenbewegung arbeitet, und zwar an der Vorbereitung einer weltweiten überparteilichen Frauenorganisation. Als "Madame Blanc" engagiert sie sich in der Résistance und findet in einem katholischen Kinderheim bei Lyon Beschäftigung und Unterkunft. 1944 wird sie von der Gestapo verhaftet und ins Lager Drancy gebracht, wo sie nur knapp der Deportation entkommt.

Nach dem Krieg nimmt sie am Gründungskongress der Internationalen Demokratischen Frauenföderation (IDFF) in Paris als österreichische Delegierte teil. Sie geht nach Wien und versucht auch hier eine überparteiliche Frauenorganisation zu gründen. Für das erste Komitee des Bundes Demokratischer Frauen Österreichs (BDFÖ) können namhafte Persönlichkeiten, wie Grete Schütte-Lihotzky, von Gunesch oder Lina Loos gewonnen werden. Nach dem Beitritt des BDFÖ zum IDFF treten sie wieder aus, weil sie letzteren als zu kommunistisch beeinflusst fanden. Anna Grün arbeitet nach 1945 als Polizeifürsorgerin und widmet sich besonders den Kindern und Jugendlichen. Sie ist auch Initiatorin der Kinderübernahmestelle der Wiener Polizei. Nach Abschluss des Staatsvertrages 1955 wurde ihr diese Funktion entzogen.

Schwager: Zum 120. Geburtstag von Anna Grün (1889-1962)

Helga Hofmann-Weinberger

Lexikon

biografiA

Grün Anna, Ps. Madame Blanc, Madame Rouge; Parteifunktionärin, Widerstandskämpferin und Frauenrechtsaktivistin
Geb. Hamburg, Deutschland, 1889
Gest. Wien, 9. 6. 1962
LebenspartnerInnen, Kinder: Verheiratet mit Josef Grün; Sohn: Peter, emigrierte nach Frankreich, Mitarbeit in der TA der Résistance, gegen Kriegsende Mitglied einer Partisanenformation.
Laufbahn: In Deutschland in der sozialistischen Jugendbewegung aktiv; anschließend in der „Kinderfreunde-Bewegung“ in Wien, Tätigkeit als Fürsorgerin, Mitbegründerin der KPÖ, 1922 Wahl in die Reichsvertretung (erweitertes ZK) der KPÖ, 1923 Mitglied der Frauenzentrale, Redaktion der Frauenseite von „Die Rote Fahne“, 1924 Wahl in das erste Politbüro der KPÖ; vermutlich 1926 mit Josef Grün Übersiedlung nach Berlin, Fürsorgeassistentin bei der Polizei, Mitglied der KPD; 1933 Emigration nach Frankreich, antifaschistische Arbeit innerhalb der TA in der französischen Résistance, Vertreterin Österreichs im „Weltkomitee der Frauen“ (Comité mondial des femmes) und Teilnahme am Gründungskongress des „Weltbundes Demokratischer Frauen“ (Fédération mondiale des femmes démocrates) in Paris; nach Kriegsausbruch Arbeit als Fürsorgerin in der evangelischen Pfarrgemeinde St. Albin bei Lyon, Aufbau des Kinderheimes, in dem eine Reihe jüdischer Kinder in Sicherheit gebracht wurden; im Frühjahr 1944 Verhaftung, grausam gefoltert und ins Lager Drancy gebracht, unmittelbar vor dem Transport nach Auschwitz von alliierten Truppen befreit; 1945 (?) Rückkehr nach Wien, Mitglied der KPÖ, Mitgründerin und Vorstandsmitglied des „Bundes Demokratischer Frauen“, Eintritt in den Polizeidienst, zeitweise Leiterin der Polizeifürsorge (Polizeikinderheim).

Quellen und Sekundärliteratur

Podgornik, Lotte : Madame Rouge : unsere roten Großmütter - 2. Folge: Anna Grün (1889-1962) - In: Volksstimme / Kommunistischen Partei Österreichs , 26.10.1985
ÖNB 740356-E.Neu-Per

Material in Archiven und Sammlungen

  • Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-016898

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