Maria Glocker

Namen und Abkürzungen
Ernst Stirner (Pseudonym)
Frösner, Maria (Geburtsname)
Stirner, Ernst (Pseudonym)
Geburtsjahr
23.05.1845, Cannstadt
Todesjahr
?
Berufe und Tätigkeiten
Schriftstellerin

Funktionen und Mitgliedschaften

Biografie

Maria Glocker wird 1845 (wahrscheinlich auch früher) im württembergischen Cannstadt geboren, besucht ein Schweizer Internat und heiratet bereits mit 17 Jahren einen Offizier. Ihr Mann stirbt früh und hinerlässt seine Frau mit den zwei Kindern. Sie heiratet ein zweites Mal den Architekten Emil Glocker, mit dem sie in verschiedenen Städten Europas lebt. Ihre literarische Laufbahn beginnt sie in Wien, wo sie für die Zeitschrift "Neue Fliegende" Humoresken und Dorfgeschichten schreibt. Als literarisches Pseudonym wählt sie den Namen Ernst Stirner.

An Frauenfragen interessiert, wird Glocker Ausschußmitglied des Wiener Hausfrauenvereins und Mitbegründerin der ersten Dienstmädchenschule in Wien. Außerdem schreibt sie Artikel zum Thema Frauenemanzipation.

Biographien der österreichischen Dichterinnen und Schriftstellerinnen

Helga Hofmann-Weinberger

Lexikon

Biographien der österreichischen Dichterinnen und Schriftstellerinnen

Glocker Maria, geb. 23. Mai 1893 [sic!] in Cannstadt (Pseudo Ernst Stirner), schreibt: "Als Tochter des Rentiers Frösner in Cannstadt in Württemberg geboren, vielleicht zu ängstlich vom Hausarzt bewacht, erfuhr mein Schulunterricht fortwährend Unterbrechungen, bis derselbe schließlich ganz auf Hauslehrer beschränkt wurde. Eine anhaltende Schlaflosigkeit wurde endlich die Veranlassung, den Geschichtsunterricht ganz zu sistieren, welchen ich erst mit dem vierzehnten Jahre, im Pensionat in der französischen Schweiz, wieder mit regem Interesse begann
Siebenzehn Jahre alt, verheiratete ich mich mit einem württembergischen Officier, Oberlieutenant Sailer, welcher nach zweiundeinhalbjähriger Ehe starb und mich mit zwei Kindern zurückließ. Gegenwärtig lebe ich in zweiter Ehe mit dem Architekten und Professor Emil Glocker, mit welchem ich anfangs in Italien, dann in München, Berlin, Wien und später in Eger lebte; mein gegenwärtiger Wohnort ist Pilsen.
Meine literarische Laufbahn begann ich vor achtzehn Jahren in Wien, als ständige Mitarbeiterin der "Neuen Fliegenden", für welche ich im Laufe von zehn Jahren mit Beifall aufgenommene Humoresken und Dorfgeschichten verfasste. So erschienen rasch hintereinander die Humoresken: "Alle für Einen". - "Hunderte Ducaten". - "Diplomat zum Hausgebrauch". - "Gift" u.a.m. Nebenher in anderen Blättern: "Eine Wundercur". - "Der geprellte Antiquitätenhändler" und "Der Sonntagsjäger". Unter den Dorfgeschichten möge "Per Schub" und "Zum eigenen Verderben" angeführt werden.
Von der Zeitströmung erfasst, schwenkte ich in die Frauenfrage über; bin nun darin fast ausschließlich thätig und ständige Mitarbeiterin des "Schweizer Familien-Wochenblatt" in Zürich und der "Deutschen Frauenzeitung" in Berlin.
Als Ausschussdame des I. Wiener Hausfrauen-Vereines und als solche, Mitbegründerin der I. Dienstmädchenschule in Wien, war ich auch journalistisch thätig für die Interessen der Frauen. In diese Zeit fällt auch ein sehr anerkennend aufgenommener Artikel "Meilenzeiger der Frauenemancipation". "Disciplin im Hauswesen", und brachte mir die ganz besondere Anerkennung der Frau Professor Weber in Tübingen ein, welche Dame als Autorität in der Frauenfrage gilt. Dem ausgesprochenen Hang für Geschichte und Kunst, selbst Malerei, verdanke ich seinerzeit eine Bestellung von maßgebender Seite, einen Artikel über "Das Museum in Eger" für das "Egerer Jahrbuch" zu schreiben. Derselbe erschien wie ein großer Theil meiner Arbeiten, unter dem Pseudonym "Ernst Stirner" und wurde von der Bohemia und anderen deutschen Blättern Böhmens, neben einem Beitrag des städtischen Bibliothekars, dem ganzen INhalt des Buches überstellt. Allerdings ohne Wissen, dass es die Feder einer Frau betraf. Im Jahre 1892 erschien "Das Museum in Eger" als Broschüre, Verlag R. H. Bayer in Pilsen, und lag in den böhmischen Bädern auf.
Den ersten Schritt in eine Redaction hatte ich in Berlin gewagt. Die Arbeit wurde mir mit einer ausweichenden Antwort zurückgestellt. Dadurch nicht befriedigt, bat ich in aller Bescheidenheit, um ein unumwundenes Urtheil. Meine Bitte fand Berücksichtigung, ich bewahrte den Ausschnitt auf, er lautet: "Es fehlt der Arbeit nicht an Phantasie und schriftstellerischem Talent, wohl aber noch an Reife und Gewandtheit. Nur Muth, es ist noch kein Baum auf den ersten Hieb gefallen"
Ich ließ es diese vielen Jahre weder an Muth noch an Ausdauer fehlen."

biografiA

Glocker Maria, geb. Frösner, Ps. Ernst Stirner; Frauenrechtsaktivistin
Geb. Cannstadt, Württemberg (Deutschland), 23. 5. 1845
Gest. ?
LebenspartnerInnen, Kinder: 1. Ehe: verheiratet mit dem Offizier Oberstleutnant Sailer; 2. Ehe: mit Emil Glocker, Architekt.
Ausbildungen: M. G. hatte einen Hauslehrer und besuchte ein französisches Pensionat. Laufbahn; Begann ihre literarische Laufbahn in Wien als Mitarbeiterin der „Neuen Fliegenden“. Lebte später u. a. in Italien, München, Berlin, Eger und Pilsen. Mitarbeiterin des „Schweizer Familien-Wochenblattes“ in Zürich und der „Deutschen Frauenzeitung“ in Berlin. Ausschussdame des ersten Wiener Hausfrauen-Vereines und Mitbegründerin der ersten Dienstmädchenschule in Wien. Schrieb neben Humoresken und Kulturgeschichtlichem auch über die Frauenfrage.
W.: „Das Museum in Eger“ (1892), „Die Gleichwertigkeit der Frau mit dem Manne. In: Frauen-Werke, 2. Jg., Nr. 3“ (1895), „Die Gleichwertigkeit der Frau mit dem Manne. (Forts.). In: Frauen-Werke, 2. Jg., Nr. 4“ (1895)

Lexikon deutscher Frauen der Feder

Glocker, Frau Maria, Ps. Ernst Stirner, Pilsen, Skretagasse 930, geboren in Cannstadt, den 23. Mai 1845, schreibt Humoristisches, Dorfgeschichten, Kulturhistorisches und Hauswirtschaftliches. Ihre Humoresken sollen demnächst in Buchform erscheinen.

Publikationen

Glocker, Maria: Die Gleichwertigkeit der Frau mit dem Manne - In: Frauen-Werke / geleitet und hrsg. von Marianne Nigg , Nr. 3 , 1895 , 1-2
Online Zugriff / ÖNB 444732-C.Neu-Per
Glocker, Maria: Die Gleichwertigkeit der Frau mit dem Manne (Fortsetzung) - In: Frauen-Werke / geleitet und hrsg. von Marianne Nigg , Nr. 4 , 1895 , 27-29
Online Zugriff / ÖNB 444732-C.Neu-Per
Stirner, Ernst: Meilenzeiger der Frauen-Emanzipation (Schluss) - In: Allgemeine Frauen-Zeitung / Hrsg. von Mathilde Korn und Arthur Korn , Nr. 4 , 1893 , 39-40
Online Zugriff / ÖNB 78833-D.Neu.1886-87
Stirner, Ernst: Das Museum in Eger / - Pilsen: Maasch, 1892
ÖNB 205659-A.Neu
Stirner, Ernst: Humoresken. Der grüne Leutnant. Gift. Eine Wunderkur / - Eger i. B.: Götz, o. J.
ÖNB 488694-A.Neu

Quellen und Sekundärliteratur