Biografie
In Warschau geboren, kommt Lydia von Wolfring 1899 nach Wien, wo sie rund zehn Jahre lebt. Sie ist eine wichtige Aktivistin der Kinderschutzbewegung. In Wien will sie eine Rechtsschutzstelle für Kinder nach amerikanischem und englischem Vorbild aufbauen. Ihre ersten Mitarbeiterinnen stammen aus dem Umfeld der bürgerlichen Frauenbewegung. 1899 initiiert sie die Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft, die zu einer der wichtigsten Kinderschutzeinrichtungen Wiens wurde.
Nach einem Zerwürfnis verlässt sie diese Einrichtung und gründet 1903 den Pestalozziverein zur Förderung des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge in Wien. Ihre 1905 veröffentlichte Aufklärungsbroschüre "Was ist Kinderschutz?" stößt landesweit auf großes Interesse seitens Stadtverwaltungen, Schulleitungen, Bezirksgerichten und Waisenräten.
1910 verlässt sie Österreich und ihre Spur verliert sich.
verwendete Literatur und Quellen:
Malleier: Lydia von Wolfring – eine deutsch-polnische Feministin und Kinderschutzaktivistin in Wien um 1900. - In: "Wir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen ...", 160-172
Lexikoneinträge
biografiA
Wolfring Lydia von; Vereinsfunktionärin
Geb. ?
Gest. ?
Laufbahn: Aktiv in der Kinderfürsorge. Vorsitzende der Wiener Kinder-Schutz- und Rettungsgesellschaft. Diese eröffnete für 90 Kinder Häuser in Kritzendorf und Maria Enzersdorf. 1903 Initiative zur Gründung des Pestalozzivereins zum Schutz misshandelter und verwahrloster Kinder sowie eines Lydia v. Wolfring-Fonds. Beeinflusste auch die österreichische Kinderschutzgesetzgebung. Ehrenmitglied der „New York Society for the Prevention of Cruelty to Children“.
W. u. a.: „Kindermisshandlung. Wiener Erfahrungen“ (1902), „I. Internationaler Kongress für Schulhygiene, Nürnberg, 4.–9. April 1904. Entwurf einer Landwirtschaftlich-gewerblichen Kolonie. T. 1–3“ (1904), „Was ist Kinderschutz?“ (1905), „Was ist Kinderschutz? Mit einem Anhange betreffend die seitens der österr. Justizverwaltung und der österr. Unterrichtsverwaltung getroffenen Anordnungen auf dem Gebiete des Kinderschutzes und der Kinderfürsorge“ (2. Aufl. 1906), „Erster Österreichischer Kinderschutzkongress. Wien 1907. Die Kindermisshandlungen, ihre Ursachen und die Mittel zu ihrer Abhilfe“ (1907) „Kindergruppen-Familiensystem. Vom Pestalozzi-Vereine zur Förderung des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge dem 1. Österr. Kinderschutz-Kongreß in Wien 1907 gewidmet“ (1907), „Die schutzbedürftige Jugend und ihre Wohlfahrt“ (1908), „Herr“lein“ und Fräu“lein“. In: Neues Frauenleben, 22. Jg., Nr. 4 (1910)“, „Die Aberkennung der väterlichen Gewalt“ (1912)
Ausgewählte Publikationen
Quellen und Sekundärliteratur
Material in Archiven und Sammlungen
- Briefe von Lydia von Wolfring - In: WBR/HS, Aut - Autograph(en), H.I.N.-241167, H.I.N.-58667, H.I.N.-65986, H.I.N.-65987, H.I.N.-71093