Maria Janitschek

Namen und Abkürzungen
Stein, Marius (Pseudonym)
Tölk, Maria (Geburtsname)
Geburtsjahr
22.07.1859, Mödling bei Wien
Todesjahr
24.04.1927, München
Berufe und Tätigkeiten
Journalistin, Schriftstellerin

Funktionen und Mitgliedschaften

Biografie

Maria Tölk wird 1859 in Mödling bei Wien geboren. Als uneheliches Kind einer Offizierstochter wächst sie in ärmlichen Verhältnissen auf und wird teilweise in einer ungarischen Klosterschule erzogen. Mit 19 Jahren geht sie mit ihrer Mutter nach Graz und beginnt dort journalistisch unter dem Pseudonym Marius Stein zu schreiben. Die Zeitungen "Moderne Dichtung" und "Wiener Rundschau" gehören zu ihren Arbeitgebern. 1882 heiratet sie den Kunsthistoriker Hubert Janitschek und lebt mit ihm in Straßburg und Leipzig. Nach dessen Tod 1893 geht sie nach Berlin und später nach München.

Maria Janitschek identifiziert sich mit den Themen der Frauenbewegung und verarbeitet - oft in freizügiger Weise - in ihrem Werk Liebes- und Eheprobleme von Frauen ihrer Zeit. Sie scheut sich nicht, Fragen der Emanzipation und Sexualität anzusprechen. Auch weibliche Homosexualität ist ein Topos in ihren Texten (z.B." Mimikry", "Im Finstern", "Neue Erziehung und alte Moral)". Ihre Heldinnen werden oft zu gnadenlosen Rächerinnen, wenn ihnen Unrecht geschieht. Ihr Gedicht "Ein modernes Weib" - aus dem Gedichtband "Irdische und unirdische Träume" - ruft heftige Ablehnung hervor. 1909 wird ihre Novellensammlung "Die neue Eva" in Deutschland verboten. Dennoch entzieht sie sich einer eindeutigen Einordnung als Feministin oder Antifeministin.

Schwartz, Agatha: "When the special girlfriend ...”. - In: Contested passions, 2011, 169-182

Lexikon

Lexikon der Frau

Janitschek, Maria, geb. Tölk, Pseud. Marius Stein, österr. Schriftste., *Mödling bei Wien 23.6.1860, +München 28.4.1927. Verh. 1882 mit dem Kunsthistoriker Hubert J. Leitmotiv ihrer Lyrik u. Romane ist die Liebe, die Stellung der Frau zum Manne, zur Gesellschaft. Die gleiche Sehnsucht nach Schönheit, die Scheu od. Flucht vor dem leben, wie sie ihre Frauengestalten empfinden, machten die Dichterin in ihrer Frühzeit zur Romantikerin u. Symbolistin. Ihre späteren Werke sind reine Unterhaltungsromane.

biografiA

Janitschek Maria, Magdalena Josefa, geb. Tölk, Ps. Marius Stein; Schriftstellerin und Lyrikerin
Geb. Mödling, NÖ, 22. 7. 1859 (23. 7. )
Gest. München, Deutsches Reich (Deutschland), 24. 4. 1927 (28. 4. )
Herkunft, Verwandtschaften: M. J. wuchs als uneheliches Kind in ärmlichen Verhältnissen auf. Über die Herkunft ihrer Mutter gibt es unterschiedliche Überlieferungen: Anna Tölk soll französischer Herkunft, aus einer Offiziersfamilie stammend, resp. Offizierswitwe gewesen sein und als Näherin gearbeitet haben, ihr Vater war vermutlich polnischer Herkunft. LebenspartnerInnen, Kinder: 1882 Heirat mit Hubert Janitschek (1846 –1893), Professor für Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Straßburg, später in Leipzig.
Ausbildungen: Ihre Ausbildung machte sie teilweise in einer ungarischen Klosterschule. Ursprünglich wollte sie Schauspielerin werden, heiratete dann aber, wobei diese Ehe ihr breite Möglichkeiten zur Weiterbildung und zu intensivem Literaturstudium bot.
Laufbahn: 1878 war sie mit ihrer Mutter nach Graz gezogen, wo M. J. unter dem Pseudonym „Marius Stein“ erstmals eine journalistische Tätigkeit ausübte. Die Zeitungen „Moderne Dichtung“ und „Wiener Rundschau“ gehörten zu ihren Arbeitgebern. Nach ihrer Heirat lebte sie in Straßburg und ab 1892 in Leipzig. 1893 starb ihr Ehemann, worauf sie nach Berlin, später nach München und 1902 nach Wien übersiedelte. Ab 1885 publizierte M. J. Belletristik, war als Mitarbeiterin verschiedener Zeitschriften weiter journalistisch tätig und schrieb u. a. für „Zukunft“ (Berlin). Anfangs behandelte sie Fragen der Frauenemanzipation und des Geschlechtslebens. Dass sie sich gut mit den Interessen der bürgerlichen Frauenbewegung identifizieren konnte, kann man der Themenwahl ihrer Werke entnehmen. Die Art und Weise, wie sie die Liebes- und Eheprobleme der Frauen verarbeitete, wurde damals als äußerst freizügig empfunden. 1889 erschien ihr erster Gedichtband „Irdische und unirdische Träume“, in dem auch das heftig kritisierte Gedicht „Ein modernes Weib“ enthalten war. 1909 wurde ihre Novellensammlung „Die neue Eva“ in Deutschland verboten. Später wandte sie sich aber der Unterhaltungsliteratur zu. Es heißt, sie sei nach dem Ersten Weltkrieg vereinsamt, ihre Bücher erlebten aber zum Teil mehrere Neuauflagen.
W. u. a.: „Im Kampf um die Zukunft. Gedichte“ (1887), „Vom Weibe. Charakterzeichnungen“ (1896), „Die Amazonenschlacht“ (1897), „Frauenkraft. Novellen“ (1900), „Die neue Eva. Skizzen (1902), „Mimikry. Ein Stück modernen Lebens. Roman“ (1903), „Esclarmonde. Ihr Lieben und Leiden“ (1906), „Liebe, die siegt. Roman“ (1914), „Wildes Blut“ (1916), „Ausgewählte Novellen und Gedichte“ (1925)

Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

MARIA JANITSCHEK (1859 - 1927): Maria Janitschek war das uneheliche Kind einer Offizierswitwe und wuchs in dürftigen Verhältnissen in Ungarn auf. Seit ihrem neunzehnten Lebensjahr lebte sie in Graz und veröffentlichte unter dem Pseudonym Marius Stein journalistische Arbeiten. Nach ihrer Heirat mit dem Straßburger Kunsthistoriker Hubert Janitschek widmete sie sich literarischen Arbeiten. Leitmotive ihres Werks sind die Stellung der Frau zum Mann und in der Gesellschaft. Ihren ersten Gedichtband "Irdische und unirdische Träume" veröffentlichte sie 1889; er enthielt das Gedicht "Ein modernes Weib", das heftige Ablehnung hervorrief. Ihre häufig der Prosa angenäherten Gedichte behandeln oft religiöse Themen, vor allem Stoffe aus dem Alten Testament. Nach dem Tod ihres Mannes (1893) lebte sie in Berlin und später München. Nach der Jahrhundertwende veröffentlichte sie fast ausschließlich Erzählungen, Novellen und Romane.

Gürtler, Schmid-Bortenschlager: Eigensinn und Widerstand

Maria Janitschek (geb. Tölk), Pseudonym: Marius Stein, geboren 1859 als uneheliche Tochter der Anna Tölk in Mödling bei Wien, gestorben 1927 in München, lebte seit ihrem 19. Lebensjahr in Graz, wo sie journalistische Arbeiten veröffentlichte; heiratete 1882 den Kunsthistoriker Hubert Janitschek in Straßburg und folgte diesem 1892 nach Leipzig; nach seinem Tod Übersiedlung nach Berlin, später München; war von Nietzsche beeinflußt, schrieb Erzählungen, Romane, Lyrik.

Friedrichs: Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts

JANITSCHEK, geb. Tölk, Maria (Pseud.: Marius Stein)
geb. 22.7.1859 (nicht 1860) in Mödling bei Wien. A.
gest. 28.4.1927 in München
Sie war die uneheliche Tochter der Anna Tölk in Mödling. Geh. 1882 Kunsthistoriker Hubert Janitschek (gest. 1893).

Österreichisches biographisches Lexikon

Janitschek Maria, geb. Tölk, Ps. Marius Stein, Schriftstellerin. * Mödling (N.Ö.), 22. 7. 1859; + München, 24. 4. 1927. Wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Ungarn auf, heiratete 1882 den Prof. für Archäol. und Kunstgeschichte an der Univ. Straßburg Hubert J., folgte ihm 1891 nach Leipzig und lebte nach seinem Tode 1893 in Berlin, schließlich in München. Lyrikerin und Erzählerin, die anfangs temperamentvoll und ankläger. Fragen der Frauenemanzipation und des Geschlechtslebens aufgriff, sich aber später der Unterhaltungsliteratur zuwandte.

Publikationen

Janitschek, Maria: Die Amazonenschlacht / - Leipzig: Verl. Kreisende Ringe, 1897
ÖNB 1802823-B.Neu
Janitschek, Maria: Gelandet : Roman / - Leipzig : Verl. der Romanwelt, 1897
ÖNB 1803074-B.Neu
Janitschek, Maria: Im Sommerwind : Gedichte / - Leipzig: Verl. Kreisende Ringe, 1895
Online Zugriff / ÖNB 1801883-B.Neu
Janitschek, Maria: Lilienzauber / - Leipzig : Verl. Kreisende Ringe, 1895
ÖNB 1855189-B.Neu
Janitschek, Maria: Ninive : Roman / - Leipzig : Verl. Kreisende Ringe, 1896
Online Zugriff / ÖNB 676398-B.Neu
Janitschek, Maria: Der Schleifstein : ein Lebensbild / - Leipzig : Verl. Kreisende Ringe (Max Spohr), 1896
Online Zugriff / ÖNB 1800824-B.Neu
Janitschek, Maria: Kreuzfahrer / - Leipzig : Verl. Kreisende Ringe, 1897
Online Zugriff / ÖNB 1801746-B.Neu
Janitschek, Maria: Frauenkraft : Novellen / - Berlin: Dt. Verl.haus, 1900
ÖNB 676397-B.Neu
Janitschek, Maria: Maiblumen / - Leipzig: Seemann, 1902
ÖNB 1801894-A.Neu.1
Janitschek, Maria: Feuerlilie / - Leipzig: Seemann, 1902
ÖNB 1801894-A.Neu.2
Janitschek, Maria: Pfingstsonne : Novelle / - Breslau : Schottlaender, 1903
Online Zugriff / ÖNB 1801884-B.Neu
Janitschek, Maria: Esclarmonde : ihr Lieben und Leiden / - Stuttgart [u.a.]: Dt. Verl.-Anst., 1906
ÖNB 676396-B.Neu
Janitschek, Maria: Lustige Ehen : eine Geschichte, in der sich alle kriegen / - Leipzig : Elischer, [1910]
Online Zugriff / ÖNB 1801062-B.Neu
Janitschek, Maria: Die Sterne des Herrn Ezelin : Roman / - Leipzig: Elischer, 1915
ÖNB 676399-B.Neu
Janitschek, Maria: Vom Weibe : Charakterzeichnungen / - Berlin: Fischer, 1896
ÖNB 1876719-B.Neu
Janitschek, Maria: Wildes Blut / - Berlin: Herz, [1916]
ÖNB 1804809-A.Neu.11
Janitschek, Maria: Auf wen der Schriftsteller hören soll - In: Selbsterlebtes : aus den Werkstätten deutscher Poesie und Kunst / hrsg. von Anny Wothe - Bremerhaven [u.a.]: Vangerow, [Ca. 1904] , 48-50
ÖNB 1525322-D.Neu
Sonnenblumen / hrsg. von Karl Henckell - Stuttgart: Beisbarth & Woelffel, 1896-1899
THE 241242-B.The
Janitschek, Maria: Überm Thal - In: Nord und Süd / hrsg. von Paul Lindau , Nr. 84 , 1898
ÖNB 397788-C.Neu-Per
Janitschek, Maria: Olympier überm Tal : zwei Novellen / - Berlin: Dt. Volkskultur, [ca. 1910]
ÖNB 1801750-B.Neu.5
Janitschek, Maria: Despotische Liebe ; Es geistert - In: Meisterwerke der zeitgenössischen Novellistik - Breslau [u.a.]: Verlag von L. Frankenstein, 1897 , 1897 , 27-118
ÖNB 2101627-B.Neu
Janitschek, Maria: Stille Gäste : Erzählungen / - Leipzig: Albert Bonnier Verlag, 1912
ÖNB 2101577-A.Neu
Janitschek, Maria: Eine Liebesnacht : Roman / - Leipzig: Verlag von B. Elischer Nachfolger, 1908
ÖNB 2102380-B.Neu
Janitschek, Maria: Mimikry : ein Stück modernes Leben / - Leipzig: Hermann Seemann Nachfolger, 1903
ÖNB 2102367-B.Neu
Janitschek, Maria: Der rote Teufel : Roman / - Leipzig: Verlag von B. Elischer Nachfolger, [1916]
ÖNB 2107366-B.Neu
Janitschek, Maria: Die neue Eva. 2. Auflage / - Leipzig: Hermann Seemann Nachfolger, ca.1902
ÖNB 2105638-B.Neu
Janitschek, Maria: Aus Aphroditens Garten : Bd. 1: Maiblumen / - Leipzig: Seemann, 1902
ÖNB 1801894-A.Neu.1
Janitschek, Maria: Aus Aphroditens Garten : Bd. 2: Feuerlilie / - Leipzig: Seemann, 1902
ÖNB 1801894-A.Neu.2
Janitschek, Maria: Im Finstern. Roman / - Leipzig: B. Elischer , [1910]
ÖNB 2105724-B.Neu
Janitschek, Maria: Kinder der Sehnsucht / - Berlin, Goslar, Leipzig : F. A. Lattmann , [1901]
ÖNB 2115666-N.Neu
Janitschek, Maria: Gott hat es gewollt : aus dem Leben eines russischen Priesters / - Leipzig : Verlag Kreisende Ringe , 1895
ÖNB 2115632-B.Neu

Quellen und Sekundärliteratur

Chambers, Helen : Humour and Irony in Nineteenth-Century Women's Narratives in German - In: Das schwierige neunzehnte Jahrhundert / germanistische Tagung zum 65. Geburtstag von Eda Sagarra im August 1998. Hrsg. von Jürgen Barkhoff ... - Tübingen: Niemeyer, 2000 , 389-401
ÖNB 1618205-B.Neu
Grant, Alyth F. : Innocence and the Language of the Body in Discourses of the "Jahrhundertwende" - In: German Life and Letters , Nr. 3 , 1999 , 343-364
ÖNB 834325-B.Neu-Per
Klugsberger, Theresia : Wissen und Leidenschaft : Maria Janitschek: Esclarmonde und Marie von Najmájer: Der Stern von Navarra ; historische Romane zweier österreichischer Schriftstellerinnen der Jahrhundertwende - In: Travellers in time and space : the German historical novel / Durrani, Osman [Hrsg.] - Amsterdam [u.a.]: Rodopi, 2001 , 263-
ÖNB 1634625-B.Neu

Material in Archiven und Sammlungen

  • Brief von Maria Janitschek - In: ÖNB/HAN, Autogr. 1376/19-1 Han

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