Biografie
Veza Canetti wird am 21.11.1897 als Venetiana Taubner in Wien geboren. Als Kind der Adeligen Rachel Taubner aus Belgrad und des jüdisch-ungarischen Kaufmannes Hermann Taubner wächst sie gemeinsam mit ihren zwei älteren Halbbrüdern in einer verhältnismäßig wohlhabenden Familie auf. Nachdem ihr Vater 1904 verstorben ist, heiratet ihre Mutter spätestens 1911 den reichen Menachem Alkaley - laut Elias Canetti aufgrund von Geldsorgen. Der gemeinsame Alltag ist von Gewalt seitens Menachem Alkaley geprägt.
Über die frühe schulische Laufbahn von Veza Canetti ist kaum etwas bekannt. Sie macht eine Ausbildung zur Lyzeallehrerin für Sprachen, besucht (ohne offizielle Einschreibung) englische Vorlesungen an der Universität Wien und arbeitet an einem Privatgymnasium als Englischlehrerin. Außerdem ist sie als Übersetzerin und Lektorin tätig, später vermutlich auch als Literaturagentin und Ghostwriterin. Vermutlich bereits vor 1914, aber spätestens nach dem Ersten Weltkrieg hält sie sich in Salons (unter anderem von Trude Waehner, Alice Schmutzer sowie Alma Mahler) für Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Intellektuelle auf.
In den 1920er Jahren beginnt Veza Canetti ihre schriftstellerische Karriere mit Naturlyrik, Jugendliteratur und Kinderbüchern, jedoch unter einem unbekannten Pseudonym. 1924 trifft sie ihren zukünftigen Ehemann Elias Canetti in einer Vorlesung von Karl Kraus, die sie regelmäßig besucht. 1929 arbeitet sie an dem „Kasper-Hauser-Roman“, der nie veröffentlicht wird. Mit ihrer Kurzgeschichte „Ein Kind rollt Geld“ gewinnt Canetti 1933 ein Preisausschreiben der „Arbeiterzeitung“, für die sie Anfang der 1930er Jahre regelmäßig Erzählungen schreibt. Neben ihren Publikationen in mehreren Zeitungen arbeitet sie an weiteren Romanen. „Die gelbe Straße“ stellt sie 1933 fertig, „Der Genießer“ sollte 1934 in der „Arbeiterzeitung“ erscheinen, kann aber nicht veröffentlicht werden, da die Zeitung verboten wird. Als Jüdin und Sozialistin ist es für Veza Canetti schwierig, ihre schriftstellerischen Arbeiten zu veröffentlichen. In Zeitungen publiziert sie ausschließlich unter Pseudonymen. Mehrere ihrer Romane werden erst Jahre nach ihrem Tod wiederentdeckt und erstmals herausgegeben.
1938 fliehen Veza und Elias Canetti - sie sind seit 1934 verheiratet - zunächst nach Paris und anschließend nach London. Im Exil schreibt Veza Canetti anfangs weiterhin an eigenen Werken, die jedoch von Verlagen abgelehnt werden, woraufhin sie zahlreiche ihrer Manuskripte zerstört. Sie unterstützt nun ihren Ehemann bei dessen Schriftstellerei und arbeitet als Übersetzerin sowie Ghostwriterin. 1963 stirbt Veza Canetti in einem Londoner Spital, laut Totenschein an einer Lungenembolie. Die genaue Todesursache ist nicht eindeutig geklärt.
verwendete Literatur und Quellen:
Amsler, Vreni: Veza Canetti zwischen Leben und Werk. Netzwerk-Biografie
Reyer, Sophie: Veza Canetti. Eine Biographie