Gina Kaus

Geburtsjahr
21.10.1893, Wien
Todesjahr
23.12.1985, Los Angeles
Berufe und Tätigkeiten
Schriftstellerin

Lexikon

Literatur in der Wiener Moderne

Gina Kaus
1894-11-21 [Wien (A)] bis 1985-12-23 [Los Angeles (USA)]

Gina wurde 1894 in Wien als Tochter eines armen jüdischen Geldvermittlers geboren. Jung heirateten sie und der aus reichem Elternhaus stammende Josef Zirner, der 1915 fiel. Einen Besuch an der Front verarbeitete Gina als Bericht, der im "Berliner Tagblatt" gedruckt wurde.

Über ihren Schwiegervater lernte Gina den wohlhabenden und einflussreichen Josef Kranz kennen. Der 30 Jahre ältere Mann, als Inhaber des sogenannten "Spiritus-Kartells" eine bekannte Schieber-Figur des 1. Weltkriegs, verliebte sich und adoptierte Gina, um die Beziehung zu legitimieren. Das in Aussicht genommene gemeinsame Domizil, die spätere Stefan Zweig-Villa auf dem Salzburger Kapuzinerberg, wurde von dem Paar nie wirklich besiedelt.

Weltoffen, schön und sich ihrer weiblichen Reize bewusst, war Gina von allem fasziniert, was mit Literatur zu tun hatte, und war eine der wenigen weiblichen Stammgäste in den männlich dominierten Literaten-Cafés. In dieser Zeit wurde Franz Blei Ginas Geliebter und künstlerischer Mentor. Er führte sie im Café Herrenhof ein, wo sie u. a. Hermann Broch, Robert Musil und Otto Kaus traf; sie schrieb die Erzählung Der Aufstieg (Fontane-Preis). Ihr Atelier, in dem sich gleichzeitig die Redaktion von Bleis Zeitschrift "Summa" befand, entwickelte sich zum Intellektuellen-Treffpunkt. 1918 - sowohl der 1. Weltkrieg als auch ihre Beziehungen zu Blei und Kranz neigten sich dem Ende zu - vermietete Gina die Räume an Franz Werfel.

Nach dem Krieg verkehrten im Umfeld Ginas viele überzeugte Linke. Auch sie vertrat bald eine kommunistische Einstellung. Sie beendete die Komödie Diebe im Haus und schickte sie unter dem Pseudonym Andreas Eckbrecht an das Wiener Burgtheater, das 1920 das Stück uraufführte. Im selben Jahr heirateten die im fünften Monat Schwangere und der Journalist, Schriftsteller und Kommunist Otto Kaus. Durch ihn lernte sie den Chefredakteur der "Arbeiter-Zeitung", Friedrich Austerlitz, kennen, der u. a. Ginas Roman Die Front des Lebens abdruckte. Als Gina mit ihrem zweiten Sohn schwanger und Kaus finanziell ruiniert nach Berlin gezogen war, begann ihre langjährige Freundschaft mit Karl Kraus. Hochschwanger gründete sie die erfolglose Zeitschrift "Mutter".

In den Folgejahren pendelte Gina zwischen Berlin und Wien, schrieb u. a. die erfolgreiche Komödie Toni (Goethe-Preis) und den Roman Überfahrt. Sie ließ sich von Kaus scheiden. Ihr Anwalt war Eduard Frischauer, der später ihr dritter Ehemann wurde.

Am 10. Mai 1933 wurden Gina Kaus? Bücher zusammen mit jenen von 30 anderen AutorInnen in Berlin öffentlich verbrannt. Ihr Roman Die Schwestern Kleh, der zu dieser Zeit entstand, wurde bereits in London veröffentlicht. Ihre Wiener Wohnung wurde kurzfristig zum Treffpunkt geflohener deutscher Schriftsteller, unter ihnen Bertold Brecht. Mit dem historischen Roman Katharina gelang Gina endgültig der Durchbruch im nicht-deutschsprachigen Raum. Im März 1938 floh sie mit ihren Söhnen über die Schweiz nach Paris und 1939 - zusammen mit Eduard - nach Amerika, wo sie eine erfolgreiche Karriere erwartete (u. a. The Wife Takes a Flyer, 1942; They all Kissed the Bride, 1942; The Red Danube, 1949; The Robe, 1953).Viele ihrer Stücke und Erzählungen dienten als Filmvorlagen.

Nach dem Krieg kam Gina noch einmal nach Wien und Berlin, wo sie u. a. mit Lili Palmer zusammen arbeitete. Es zog sie jedoch wieder zurück in die USA, wo sie 1985 starb.

Publikationen

Die Mutter Halbmonatsschrift für alle Fragen der Schwangerschaft, Säuglingshygiene und Kindererziehung / Eigentümerin und Herausgeberin: Gina Kaus; Verantwortliche Redaktrice: Lia Swarovsky - Wien: , 1924-
Online Zugriff / ÖNB 607697-C.Neu
Kaus, Gina: "Und was für ein Leben ..." : mit Liebe und Literatur, Theater und Film / - Hamburg: Knaus, 1979
ÖNB 1174574-B.Neu
Kaus, Gina: Melanie. Roman Översättning från Tyskan av Kerstin Wimnell (Der Teufel nebenan) / - Stockholm: Skoglunds, 1940
ÖNB 2114144-B.Neu

Quellen und Sekundärliteratur

Links