Gabriele von Wartensleben

Namen und Abkürzungen
Andrian-Werburg, Gabriele Freiin von
Andrian-Werburg, Gabriele von (Geburtsname)
Minkowsky, Gabriele (Ehename)
Wartensleben, Gabriele Gräfin
Wartensleben, Gabriele Gräfin von (Ehename)
Geburtsdaten
24.04.1870, Ansbach (Bayern)
Sterbedaten
12.08.1953, Basel
Berufe und Tätigkeiten
Klassische Philologin, Archäologin, Lehrerin, Psychologin

Biografie

Gabriele von Wartensleben, geboren als Gabriele von Andrian-Werburg, ist vor allem als Mitbegründerin der Gestaltpsychologie bekannt. Mit ihrer Dissertation "Begriff der griechischen Chreia und Beiträge zur Geschichte ihrer Form" erhielt Gabriele von Wartensleben am 3. Mai 1900 den akademischen Titel einer Doktorin. Somit wurde sie die zweite promovierte Frau an der Universität Wien und die erste promovierte Frau an der Philosophischen Fakultät der Universität - obwohl sie nie in Wien studiert hatte.

1898 gründete Gabriele von Wartensleben den Verein “Frauenbildung-Frauenstudium” in Frankfurt mit. Der Verein setzte sich für die Einrichtung von auf den Hochschulbesuch vorbereitenden Bildungsinstitutionen für junge Frauen sowie die Öffnung des wissenschaftlichen Studiums für Frauen ein.

Wissenschaftliche Arbeiten von Gabriele von Wartensleben, die zwischen 1910 und 1914 veröffentlicht wurden, gingen vielen Abhandlungen über die Gestaltpsychologie, die von ihren männlichen Kollegen und bekannten Begründern der theoretischen Richtung verfasst wurden, voraus. Vor allem ihr 1914 erschienenes Buch "Die christliche Persönlichkeit im Idealbild. Eine Beschreibung sub specie psychologica" ist die erste kurze, aber dennoch umfassende und konkrete Ausführung der Gestalttheorie und ihrer zentralen Aussagen.

1933 zog Gabriele von Wartensleben nach Basel in der Schweiz, wo sie bis zu ihrem Tod weiterhin schrieb und Vorträge hielt. Sie starb im Alter von 63 Jahren am 12. August 1953. 

verwendete Literatur und Quellen:

Feldner: Zur Geschichte der universitären Frauenbildung. - In: Juridikum (1997), Nr. 2, 26-28
Glaser: Konkurrenz und Dankbarkeit : die ersten drei Jahrzehnte des Frauenstudiums im Spiegel von Lebenserinnerungen - am Beispiel der Universität Tübingen. - In: Zeitschrift für Pädagogik 34 (1998), Nr. 2, 205-226
Harper, Newman, Schab: Gabriele Gräfin von Wartensleben and the birth of Gestaltpsychologie. - In: Journal of the history of the behavioral sciences 21 (1985), Nr. 2, 118–123.
Stemberger: Gabriele von Wartensleben (1870–1953), die Gestalt-Gräfin. - In: Phänomenal 2 (2010), Nr. 1, 42–45
650 plus – Geschichte der Universität Wien, Archiv der Universität Wien, Forum Zeitgeschichte

verfasst von: Emma Lakkala

Lexikoneinträge

biografiA

Wartensleben Gabriele von, geb. Andrian-Werburg, verh. Minkowsky (?)
Geb. Ansbach, Bayern/Deutschland, 24. 4. 1870
Gest. 12. 8. 1953
Herkunft, Verwandtschaften: Tochter des Anthropologen, Ethnographen und Ehrendoktors der Universität Wien Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg (1835 –1914) und dessen Gattin Cäcilie Meyerbeer (Tochter des Komponisten Giacomo Meyerbeer). Bruder: Leopold Andrian-Werburg (1875 –1951), Literaturhistoriker und Diplomat.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1890 Heirat mit Dr. Konrad Graf Wartensleben. 1895 Scheidung.
Sohn: Wilhelm (* 1891).
Ausbildungen: 1895 Matura in Zürich, Studium der klassischen Philologie und deren Hilfswissenschaften, sowie klassische Archäologie an den Universitäten Zürich, Leipzig und Heidelberg. Promotion am 3. Mai 1900 als erste Studentin an der Universität Wien zum Dr. phil. Laufbahn: Lebte 1900 bis 1925 vorwiegend in Frankfurt. Ab 1905 Unterricht in verschiedenen Frankfurter Schulen, leitete zwischen 1911 und 1921 die Lehrerinnenfortbildung. Zwischen 1908 und 1914 Verbindungen zum Psychologischen Institut der Frankfurter Akademie für Sozialwissenschaften. Gilt als eine Pionierin der Gestaltpsychologie.
W.: „Begriff der griechischen Chreia und Beiträge zur Geschichte ihrer Form“ (Diss. 1900,
Ersch. 1901), „Wahrhaftigkeit und Wesenserfüllung“ (1925)

Ausgewählte Publikationen

Wartensleben, Gabriele Gräfin: Die christliche Persönlichkeit im Idealbild : eine Beschreibung sub specie psychologica / - Kempten [u.a.]: Kösel, 1914
UBS 37396 I
Wartensleben, Gabriele von: Begriff der griechischen Chreia und Beiträge zur Geschichte ihrer Form / - Heidelberg: Winter, 1901
ÖNB 410754-B.Neu
Wartensleben, Gabriele von: Über den Einfluß der Zwischenzeit auf die Reproduktion gelesener Buchstaben - In: Zeitschrift für Psychologie / gegründet von Hermann Ebbinghaus und Arthur König , 1913 , 321-385
ÖNB 483809-B.Neu-Per
Wartensleben, Gabriele von: Wahrhaftigkeit und Wesenserfüllung / - Regensburg: Habbel, 1925
THE 818716-A.The

Quellen und Sekundärliteratur

Die ersten weiblichen Doctoren der Philosophie an der Wiener Universität - In: Frauen-Werke , Jg. 7 (1900), Nr. 6, 1-3
Online Zugriff / ÖNB 444732-C.Neu-Per
Feldner, Birgit : Zur Geschichte der universitären Frauenbildung : auf halbem Weg zur Selbstverständlichkeit - In: Juridikum , Jg. 5 (1997), Nr. 2, 26-28
ÖNB 1314838-C.Neu-Per
Promotion zweier Frauen : [an der Universität Wien, Gabriele Gräfin Wartensleben und Cäcilie Wendt] - In: Dokumente der Frauen , Jg. 3 (1900), Nr. 4, 149-150
Online Zugriff / ÖNB 402681-B.Neu
Stemberger, Gerhard : Gabriele von Wartensleben (1870–1953), die Gestalt-Gräfin : Pionierleistungen in der Frühzeit der Gestalttheorie - In: Phänomenal , Jg. 2 (2010), Nr. 1, 42–45
ÖNB 2019461-C.Neu-Per
Wanger, Thomas Ernst : Liechtensteiner Spuren einer Pionierin der Gestaltpsychologie : Dr. Gabriele Gräfin von Wartensleben, geb. Freiin von Andrian-Werburg (1870-1953) in Schaan - In: Liechtensteiner Vaterland , 25.08.2005, 22
ÖNB 1276850-C-E.Neu-Per

Material in Archiven und Sammlungen

  • Briefe von Gabriele von Wartensleben - In: BSB, Crusiusiana I

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