Augustin Rösler

Namen und Abkürzungen
Rösler, Aug.
Rösler, P. Augustin
Geburtsjahr
6.03.1851, Guhrau a.d. Bartsch (Góra, Polen)
Todesjahr
2.04.1922, Breslau (Wroclaw, Polen)
Berufe und Tätigkeiten
Theologe, Publizist, Lehrer

Lexikon

Österreichisches biographisches Lexikon

Rösler P. Augustin, CSSR, Theologe und Soziologe. * Guhrau a.d. Bartsch (Góra, Polen), 6. 3. 1851; + Breslau (Wroclaw, Polen), 2. 4. 1922. Sohn eines Glasermeisters; stud. an der Univ. Breslau Theol., 1876 Dr. theol. (Freiburg i. Br.). Nach der Priesterweihe (1877) trat er in den Orden der Redemptoristen in der österr. Provinz ein. 1879 wurde er von Hamerle, dem Reorganisator der österr. Ordensprovinz, an die Philosoph.-theolog. Lehranstalt der Redemptoristen in Mautern (Stmk.) berufen, wo damals Ordenstheologen aus der Österr.-ung. Monarchie und tw. auch aus England ausgebildet wurden. R., dessen Hauptfach Bibelwiss. des Neuen Testaments war, wirkte in Mautern bis 1918 als Prof. für Patristik und Kirchengeschichte. Nach dem Ersten Weltkrieg ging er nach Breslau und gründete das Redemptoristenkloster Breslau-Grüneiche. Durch sein großes Werk, "Die Frauenfrage vom Standpunkte der Natur, der Geschichte und der Offenbarung", 1893, 2. Aufl. 1907 (französ. 1899, italien. 1915) wurde R. zum Vorkämpfer der kath. Frauenbewegung um die Jh.Wende. Mitgl. der Görres-ges. und der Leoges.

Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon

RÖSLER, Augustin, * 6. März 1851 in Guhrau (Schlesien), † 2. April 1922 in Breslau.

R. besuchte von 1864 bis 1871 das Gymnasium in Glogau. Anschließend studierte er von 1871 bis 1874 Philosophie und Theologie an der Universität zu Breslau und trat dort 1874 in das Klerikalseminar ein. Am 4. Mai 1875 wurde er zum Priester geweiht. Ein weiterführendes Theologiestudium, das er im Sommer 1876 mit dem Doktordiplom abschloß, führte ihn nach Freiburg im Breisgau. R. wurde Redakteur des "Schlesischen Kirchenblattes" in Breslau, doch schon im April 1877 trat er in Eggenburg (Niederösterreich)in die Kongregation der Redemptoristen ein. Nach kurzer Tätigkeit in der Seelsorge und als "Sozius" des Novizenmeisters wurde R. 1880 Lehrer an der Ordenshochschule der Redemptoristen in Mautern (Steiermark). Er dozierte zunächst Dogmatik, Patrologie, Griechisch und deutsche Literatur, schon ein Jahr später wurde er zum hauptamtlichen Lektor für Exegese und Hebräisch ernannt, behielt jedoch außer Dogmatik zeitweise einen Teil der anderen Fächer bei. Von 1881 bis 1918 lehrte er in Mautern Exegese des Alten und Neuen Testamentes. Daneben waren ihm zahlreiche Klosterämter (Bibliothekar, Chronist...) übertragen. Auch in der Seelsorge, vor allem als Exerzitienmeister, war er tätig. Den Hauptschwerpunkt seiner Tätigkeit bildete jedoch die religiöse Schriftstellerei. Dazu kam sein sozialpolitisches Engagement. Durch Jahrzehnte war P. Rösler Mitarbeiter zahlreicher Zeitschriften und Zeitungen wie der Linzer "Theol-prakt. Quartalschrift", der "Hist. pol. Blätter", der "Salzburger Kirchenzeitung", des Wiener "Vaterland". Auch als Verfasser von Untersuchungen zur alten u. mittelalterl. Kirchengeschichte wurde er bekannt. Ferner schrieb er eine Reihe erbaulicher, apologetischer, religiös-pädagogischer, pastoral- und moraltheologischer, liturgiewissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Abhandlungen. Sein bedeutendstes Werk ist sein Buch zur "Frauenfrage", das ihm den Ruf eines "katholischen Bebel" eintrug, das er freilich als "Antibebel" verstand. Es erschien 1893 in erster Auflage. Eine völlig überarbeitete, erweiterte Neuauflage erfolgte 1907. Eine geplante dritte Auflage, die R. bis zu seinem Tod beschäftigte, soll auch am Einspruch der Ordensobern gescheitert sein, die das Werk - unverständlicherweise - als zu "fortschrittlich" betrachteten. Zur Schriftstellerei kam R.s aktiver Einsatz in der katholischen Politik und Sozialarbeit. Eng war er dem deutschen Zentrum sowie der Christlich-sozialen Partei in Österreich und der ihr nahestehenden "Leo-Gesellschaft" zur Pflege katholischer Kulturarbeit verbunden, auch wenn sein Herz im Grunde mehr für die österreichischen "Katholischkonservativen" schlug. Auf Katholikentagen u. anderen kirchlichen Veranstaltungen war er ein gefeierter Redner.

Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im sozialen Bereich, vor allem in der Förderung der kathol. Gewerkschaften. Ebenso sind seine Bemühungen um die Einführung des Katholischen Frauenbundes gegen die zögerl. Haltung der meisten Bischöfe hervorzuheben. Auch sonst war er führend in der Förderung des kath. Vereinswesens. Er selbst war aktiv in verschiedenen Vereinen tätig (kath. Schulverein, kath. Preßverein, Marianische Kongregationen). Schließlich sind die zahlreichen Verbindungen zu führenden Gestalten des deutschen u. österr. Katholizismus zu erwähnen, denen er als Ratgeber, etwa im Kampf gegen die pangermanistische Los-von-Rom-Bewegung, zur Seite stand. Innerhalb der kirchlichen Auseinandersetzung seiner Zeit gehörte R. zum integralistischen romtreuen Flügel im Katholizismus, und zwar so sehr, daß er bei seinen Gegnern als typischer "ultramontaner Jesuit" galt. Aber auch die ihm ursprünglich nahestehenden Männer der Mitte, wie der Wiener christlich-soziale Politiker Prälat Schindler oder der Breslauer Kardinal Kopp rückten von ihm ab. Der Grund war sein Widerstand gegen die Öffnung der Kirche zur modernen Kultur. Im sog. "Gewerkschaftsstreit" sprach er sich entschieden gegen die Zusammenarbeit von Katholiken und Protestanten aus. Im "Literaturstreit" wandte er sich gegen das "Hochland" und die Veröffentlichung des Romans "Jesse und Maria" von E. von Handel-Mazzetti. Insbesondere aber hat er sich als Gegner des Kirchenhistorikers und gemäßigten Reformers Albert Ehrhard einen wenig rühmlichen Namen gemacht, wobei freilich zu seiner Entlastung gesagt werden muß, daß er seine Schriften gegen Ehrhard auf ausdrücklichen Wunsch des Wiener Kardinals Gruscha verfaßte. In seinen letzten Lebensjahren (1918-1922) widmete sich R. der Gründung eines Redemptoristenklosters in Breslau, dessen Oberer er wurde, und der Verbreitung der Redemptoristen in seiner Heimat.

Werke: Der kath. Dichter Aurelius Prudentius Clemens. Ein Beitrag zur Kirchen- und Dogmengeschichte des 4. und 5. Jahrhunderts, Freiburg 1886; Der Fahneneid des christl. Mannes. Eine Erklärung des Taufgelübdes, bearbeitet nach »A retreat for men, by T. E. Bridgett«, Graz 1888; Der Stall von Bethlehem. Zwölf Betrachtungen für den fünfundzwanzigsten eines jeden Monats, Wien 1890 (21932); Die Frauenfrage vom Standpunkt der Natur, der Geschichte und der Offenbarung, Wien 1893 (Freiburg 21907); Kardinal Johannes Dominici, 1357-1419, ein Reformatorenbild aus der Zeit des großen Schismas, Freiburg 1893; Kardinal Johannes Dominicis Erziehungslehre und die übrigen Leistungen Italiens im 15. Jahrhundert. Der Karthäuser Nikolaus Kempf und seine Schrift: Über das rechte Ziel und die rechte Ordnung des Unterrichts. Übersetzt und mit biographischen Einleitungen versehen, Freiburg 1894; Der Reichtum der kath. Kirche, Wien 1896; Wahre und falsche Frauenemanzipation, Stuttgart 1899; Die Übung der Charitas durch die Frauen und an den Frauen, Freiburg 1901 (21903); Der Katholizismus, seine Aufgabe und seine Aussichten nach Prof. Dr. Albert Ehrhard, Hamm 1902; Gewissenserforschung über die Anklagen des Professors Dr. Ehrhard, Graz 1902; Fürs Priesterherz. Gesammelte Aufsätze, Münster 1907 (31915); Liebfrauenschule. Lehr- und Gebetbuch für kath. Frauen, Freiburg 1910 (111922); Neue Rechte und Pflichten der kath. Frau, Breslau 1919; Seelsorge und Nationalismus, in: Theol-prakt. Quartalschr. 73 (1920) 487-495.

Lit.: A. Ehrhard, Liberaler Katholizismus? Ein Wort an meine Kritiker, Stuttgart u. Wien 1902, 1-101; - H. Dransfeld, Röslers »Frauenfrage« im Lichte der Kritik, in: Die christliche Frau 6 (1908) 151 ff.; - J. Schweter, P. Dr. Augustin Rösler, in: Schlesische Volkszeitung, 9. April 1922; - + R. R. P. Augustinus Roesler, in: Analecta Congr. Ssmi. Redemptoris 1 (1922) 180-183; - F. Mair, Der Redemptoristenpater Dr. A. Rösler, in: Theol.-prakt. Quartalschr. 75 (1922) 367-384, 543-551; - P. Augustin Rösler, in: Literae Annales Prov. Vindobonensis Congr. SS. Redemptoris 1920-23, Wien 1923, 21 f.; - E. Hosp, Dem Andenken des P. Augustin Rösler CSsR, in: Hist.-pol. Blätter 171 (1923) 525 ff., 553 ff., 609 ff.; - J. Schweter, P. Dr. Augustin Rösler, C.SS.R., 1851-1922. Ein Bild seines Lebens und Schaffens, Schweidnitz 1929; - M. de Meulemeester, Bibliographie générale des Écrivains Rédemptoristes, Bd. 2, Louvain 1935, 333-337; Bd. 3, Louvain 1939, 377; - J. Spael, Das Buch im Geisteskampf, 100 Jahre Borromäusverein, Bonn 1950, 83 f.; - A. Kall, Katholische Frauenbewegung in Deutschland. Eine Untersuchung zur Gründung kath. Frauenvereine im 19. Jahrhundert, Paderborn 1983, 273-277; - I. Raming, Frauenbewegung und Kirche, Weinheim 21991, 56 f.; - M. Benzerath, Roesler Augustin, in: Dictionnaire de Spiritualitè, Bd. 13, Paris 1988, 866 f.; - A. Schedl, Roesler, P. Augustin, in: Oester. Biograph. Lexikon 9 (1988) 203 f.; - Staatslexikon 6 (51931) 1032 f.; - LThK2 IX (1964), 53.

Publikationen

Rösler, Aug.: Henriette Auegg : [Nachruf] - In: Österreichische Frauenwelt / hrsg. von der Katholischen Reichs-Frauenorganisation Österreichs. Für die Redaktion verantwortlich: S. Waitz. Red. von Hanny Brentano; ab 1919,1: Assunta Nagl , Nr. 1 , 1913 , 8-14
Online Zugriff / ÖNB 477382-B.Neu-Per
Rösler, Augustin: Die Frauenfrage vom Standpunkte der Natur, der Geschichte und der Offenbarung / - Wien: Roller [u.a.], 1893
Online Zugriff / ÖNB 148033-B.Neu
Rösler, Augustin: Wahre und falsche "Frauen-Emanzipation" / - Stuttgart [u.a.]: Roth, 1899
Online Zugriff / ÖNB 402438-B.Neu
Rösler, Augustin: Die wilden Ehen / - Wien: , 1906
ÖNB 406634-B.Neu-Per.14
Rösler, Augustin: Was bedeutet eine Lehrerin? / - Wien: Austria, 1902
Online Zugriff / ÖNB 417962-B.Neu
Rösler, Augustin: Lehrgang und Lehrmethode im Zeichnen am Real- und Obergymnasium in Mariahilf / - Wien: , 1874
ÖNB 390389-B.Neu-Per.1874
Rösler, Augustin: Die Übung der Charitas durch die Frauen und an den Frauen / - Freiburg i. Br.: Charitasverb. für das kath. Deutschland, 1903
ÖNB 6041-MFS/06484
Rösler, Augustin: Onno Klopps edle Frau - In: Österreichische Frauenwelt / hrsg. von der Katholischen Reichs-Frauenorganisation Österreichs. Für die Redaktion verantwortlich: S. Waitz. Red. von Hanny Brentano; ab 1919,1: Assunta Nagl , Nr. 2 , 1917 , 33-38
Online Zugriff / ÖNB 477382-B.Neu-Per
Rösler, Augustin: Onno Klopps edle Frau (1. Fortsetzung) - In: Österreichische Frauenwelt / hrsg. von der Katholischen Reichs-Frauenorganisation Österreichs. Für die Redaktion verantwortlich: S. Waitz. Red. von Hanny Brentano; ab 1919,1: Assunta Nagl , Nr. 3 , 1917 , 80-86
Online Zugriff / ÖNB 477382-B.Neu-Per
Rösler, Augustin: Onno Klopps edle Frau (2. Fortsetzung) - In: Österreichische Frauenwelt / hrsg. von der Katholischen Reichs-Frauenorganisation Österreichs. Für die Redaktion verantwortlich: S. Waitz. Red. von Hanny Brentano; ab 1919,1: Assunta Nagl , Nr. 5 , 1917 , 145-150
Online Zugriff / ÖNB 477382-B.Neu-Per
Rösler, Augustin: Onno Klopps edle Frau (3. Fortsetzung) - In: Österreichische Frauenwelt / hrsg. von der Katholischen Reichs-Frauenorganisation Österreichs. Für die Redaktion verantwortlich: S. Waitz. Red. von Hanny Brentano; ab 1919,1: Assunta Nagl , Nr. 6 , 1917 , 178-181
Online Zugriff / ÖNB 477382-B.Neu-Per
Rösler, Augustin: Onno Klopps edle Frau (4. Fortsetzung) - In: Österreichische Frauenwelt / hrsg. von der Katholischen Reichs-Frauenorganisation Österreichs. Für die Redaktion verantwortlich: S. Waitz. Red. von Hanny Brentano; ab 1919,1: Assunta Nagl , Nr. 7 , 1917 , 200-205
Online Zugriff / ÖNB 477382-B.Neu-Per
Rösler, Augustin: Onno Klopps edle Frau (Schluss) - In: Österreichische Frauenwelt / hrsg. von der Katholischen Reichs-Frauenorganisation Österreichs. Für die Redaktion verantwortlich: S. Waitz. Red. von Hanny Brentano; ab 1919,1: Assunta Nagl , Nr. 8 , 1917 , 246-251
Online Zugriff / ÖNB 477382-B.Neu-Per

Quellen und Sekundärliteratur

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