Grete Urbanitzky

Namen und Abkürzungen
Passini, Grete (Ehename)
Urbanitzky, Grete v.
Urbanitzky, Grete von
Urbanitzky-Passini, Grete von
Urbanitzky-Wolosczuk, Grete
Urbanitzky-Woloszczuch, Grete
Woloszcuk, Grete (Ehename)
Geburtsjahr
9.07.1891, Linz
Todesjahr
4.11.1974, Genf
Berufe und Tätigkeiten
Schriftstellerin, Übersetzerin, Publizistin

Funktionen und Mitgliedschaften

Sorptimist Club, Wien Vorstandsmitglied

Biografie

Grete Urbanitzky besuchte in Linz ein Lyzeum und später ein Gymnasium in Zürich. 1911 erschien ihre erste selbständige Publikation "Sehnsucht". Sie war sowohl als Romanautorin, Erzählerin, Übersetzerin als auch als Journalistin tätig.

Urbanitzky etablierte sich als Schriftstellerin zunächst im völkisch-nationalen Lager - wie Ursula Huber schreibt. In Auseinandersetzung mit Otto Weiningers Ideen veröffentlichte sie 1920 einen „Rasseroman” "Das andere Blut". In den 1920er Jahren liberalisierte sich ihre Haltung und ihre Romane enthalten pazifistische Ideen. Die Frage der Stellung der Frau in der Gesellschaft und Öffentlichkeit der damaligen Zeit steht oft im Fokus ihrer Romane. Sie interessiert vor allem ein "neues" Frauenbild, das im Zwiespalt zwischen "nicht mehr unterdrückt und noch nicht befreit" steht. Als eine der wenigen Autorinnen wagte sie in ihrem Werk die Thematisierung weiblicher Homosexualität. Die Kritik an der bürgerlichen Sexualmoral trug ihr den Vorwurf der Pornografie ein.

Ab 1923 hatte sie das Amt der Generalsekretärin des Wiener PEN-Clubs inne - später wurde sie zur Parteigängerin der Nationalsozialisten. Trotz ihrer Unterstützung des Nationalsozialismus war sie mit jüdischen AutorInnen befreundet - u.a. Felix Salten, Nelly Sachs und Gertrud Isolani. Bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland wurde ihr im Amsterdamer jüdischen Ghetto spielender Roman "Mirjams Sohn" und der Lesbenroman "Der wilde Garten" verboten. 1941 wurde ihr Gesamtwerk auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Urbanitzky übersiedelte nach Paris, 1939 überraschte sie der Kriegsausbruch in der Schweiz. Erst nachdem eine Revision des Verbots ihrer Bücher in nationalsozialistischen Deutschland erfolglos blieb, distanzierte sie sich langsam vom totalitären Gedankengut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhob sie mit Berufung auf das Verbot ihrer Bücher und auf ihre Emigration den vergeblichen Anspruch Opfer des Nationalsozialismus gewesen zu sein. Sie blendete ihr nationalsozialistisches Engagement aus. An ihre Vorkriegserfolge konnte sie in den Nachkriegsjahren nicht mehr anknüpfen. Zuletzt arbeitete sie als Korrespondentin bei den Vereinten Nationen in Genf.

Huber: Grete von Urbanitzky. - In: L' homme 4 (1993) 1, 74-88

Christa Bittermann-Wille

Lexikon

Nachlässe in Österreich

Grete von Urbanitzky, Schriftstellerin, geb. am 9. 7. 1893 in Linz (Oberösterreich), gest. am 4. 11. 1974 in Genf (Schweiz). Von Urbanitzky, die aus einer alten Offizierfamilie stammte, besuchte das Lyzeum in ihrer Heimatstadt sowie das Gymnasium in Zürich und hörte an der dortigen Universität naturwissenschaftliche Vorlesungen. Sie betrieb private germanistische und orientalische Studien in Wien und trat bereits früh mit literarischen Werken an die Öffentlichkeit. Sie war Redakteurin der Wiener Tageszeitung "Der Tag", für die sie Buchrezensionen sowie Theaterkritiken verfasste und betrieb ein Verlags-Büro. 1938 musste sie nach Frankreich emigrieren, war dort bis 1939 als Korrespondentin für deutsche und österreichische Zeitungen tätig und ging in die Schweiz, wo sie u. a. für die "Schweizer Illustrierte" und den "Züricher Tagesanzeiger" schrieb.
Sie war Mitbegründerin der österreichischen Sektion des P.E.N.-Clubs und machte sich um das literarische Leben in Wien verdient. In ihren Werken beschäftigte sie sich zunächst mit gesellschaftlichen Zeitproblemen, später war sie als Unterhaltungsschriftstellerin erfolgreich. Von Urbanitzky veröffentlichte u. a. den Gedichtband Der verflogene Vogel (1920), die Romane Mirjam Sohn (1925), Der wilde Garten (1927), Durch Himmel und Hölle (1932), Unsere liebe Frau von Paris (1938), Der große Traum (1942) und Der Mann Alexander (1949) sowie Märchen unter dem Titel Sehnsucht (1911).

biografiA

Urbanitzky Grete von, Margarethe, verh. Wolosczuk (Woloszuk), verh. Passini; Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin
Geb. Linz, OÖ, 9. 7. 1893
Gest. Genf, Schweiz, 4. 11. 1974
Herkunft, Verwandtschaften: Mutter: Cecilie von Urbanitzky, geb. Grünwald; Vater: Rudolf von Urbanitzky, Ingenieur und Inhaber einer Baufirma.
LebenspartnerInnen, Kinder: 1. verheiratet mit Wolosczuk, Oberleutnant; 2. 1920 Heirat mit Peter Passini.
Ausbildungen: 4 Klassen Lyzeum Linz, Gymnasium Zürich, Vorlesungen an der Universität Zürich, private Studien in Zürich und Wien (Orientalistik, Germanistik).
Laufbahn: G. v. U. s journalistische Tätigkeit umfasste u. a. die Mitgliedschaft in der Redaktion des „Tag“ (Wien) und die Arbeit als Korrespondentin ausländischer Blätter vor 1938 sowie die Mitarbeit an der „Schweizer Illustrierten“, am „Tagesanzeiger“ und an der Zeitschrift „Sie und Er“, beide in Zürich nach 1945, als sie gleichzeitig auch UNO-Korrespondentin war. In den späten 1920er Jahren leitete sie in Wien ein Verlags- und Übersetzungsbüro. Sie war selbst auch als Übersetzerin tätig (Englisch, Französisch, Italienisch). Weiters war sie Vorstands- und Gründungsmitglied des österreichischen P. E.N-Klubs. Sie emigrierte 1939 in die Schweiz. In ihren belletristischen Veröffentlichungen thematisierte sie häufig den Generationenkonflikt und die Lebensläufe erfolgreicher Frauen. Viele ihrer Romane wurden in den 1950er Jahren neu aufgelegt.
Ausz., Mitglsch.: Ehrenmitglied der Mark-Twain-Gesellschaft, Caballero Ordre du merité de Duarte, Orden Sanchez y Miella der Dominikanischen Republik; G. v. U. hatte vor allem in jüngeren Jahren Kontakte zur Frauenbewegung.
W. u. a.: „Sehnsucht. Novellen und Märchen“ (1911), „Wenn die Weiber Menschen werden… Gedanken einer Einsamen“ (1913), „Das andere Blut. Roman“ (1920), „Masken der Liebe. Novellen“ (1922), „Mirjams Sohn. Roman“ (1926), „Eine Frau erlebt die Welt. Roman“ (1931), „Karin und die Welt der Männer. Roman“ (1933), „Heimkehr zur Liebe. Roman“ (1935), „Das Mädchen Alexa. Roman“ (1939), „Der große Traum. Roman“ (1942)

Publikationen

Urbanitzky, Grete v.: Schicksale hinter Schreibmaschinen - In: Neues Wiener Journal , Nr. 13100 , 11. Mai 1930 , 23
Online Zugriff / ÖNB 394199-D.Neu-Per
Urbanitzky, Grete von: Der wilde Garten : Roman / - Leipzig: Hesse und Becke, 1927
Online Zugriff / ÖNB 563014-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Die goldene Peitsche : Roman / - Leipzig: Haessel, 1922
Online Zugriff / ÖNB 641846-A.Neu
Urbanitzky, Grete von: Das Jahr der Maria / - Wien: Wiener Literar. Anstalt, 1921
ÖNB 539921-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Der verflogene Vogel : Gedichte / - Wien: Wiener Literar. Anstalt, 1920
ÖNB 535699-A.Neu
Urbanitzky, Grete von: Des Kaisers junge Soldaten / - Wien: Verl. Patriot. Extrablatt d. Bühnenkünstler, 1915
ÖNB 511048-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Die Auswanderer : Roman / - Wien: Wiener Literarische Anstalt, 1921
ÖNB 538035-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Maria Alborg : Roman / - Leipzig: Haessel, 1923
ÖNB 641844-A.Neu
Urbanitzky, Grete von: Masken der Liebe : Novellen / - Leipzig: Haessel, 1922
ÖNB 641845-A.Neu
Urbanitzky, Grete von: Mirjams Sohn : Roman / - Stuttgart: Engelhorn, 1926
ÖNB 404656-B.Neu-Per.989.990
Urbanitzky, Grete von: Eine Frau erlebt die Welt : Roman / - Berlin ; Wien [u.a.]: Zsolnay, 1931 [u.a.]
ÖNB 637113-B.Neu
Urbanitzky, Grete v.: "Es begann im September ..." : Roman / - Freiburg/Br.: Badischer Verl., 1949
ÖNB 803111-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Begegnung in Alassio : Roman / - Berlin ; Wien [u.a.]: Zsolnay [u.a.], 1937 [u.a.]
ÖNB 655717-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Sehnsucht : Novellen und Märchen / - Leipzig: Xenien-Verl., 1911
WBR A-293493
Urbanitzky, Grete von: Das andere Blut : Roman / - Leipzig: R. Wunderlich, 1920
WBR A-293492
Urbanitzky, Grete von: Ausgewählte Gedichte / - Leipzig: Xenien-Verl., o. J.
WBR A-293494
Urbanitzky, Grete von: Durch Himmel und Hölle : Roman / - Berlin ; Wien [u.a.]: Zsolnay, 1932
ÖNB 589757-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Der große Traum : Roman / - Bern: A. Scherz, 1942
WBR A-220374
Urbanitzky, Grete von: Heimkehr zur Liebe : Roman / - Wien [u.a.]: Zsonlay, 1935
ÖNB 643963-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Karin und die Welt der Männer : Roman / - Berlin ; Wien: Zsolnay, 1933 [u.a.]
ÖNB 631688-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Das Mädchen Alexa : Roman / - Berlin [u.a.]: Zsolnay, 1939 [u.a.]
WBR A-90796
Urbanitzky, Grete von: Miliza : Roman / - Bern: A. Scherz, 1941
ÖNB 721334-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Nina : Geschichte einer Fünfzehnjährigen ; Roman / - Berlin ; Wien [u.a.]: Zsolnay, 1935
ÖNB 642788-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Sekretärin Vera : Roman / - Hannover: A. Sponholtz, 1930
WBR A-160452
Urbanitzky, Grete von: Unsere Liebe Frau von Paris : der Roman eines deutschen Steinmetzen / - Berlin ; Wien [u.a.]: Zsolnay, 1938 [u.a.]
ÖNB 657220-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Ursula und der Kapitän : Roman / - Wien: Zsolnay [u.a.], 1934 [u.a.]
ÖNB 649333-B.Neu
Urbanitzky, Grete von: Zwischen den Spiegeln / - Stuttgart: J. Engelhorn, 1930
ÖNB 404656-B.Neu-Per.1042
Urbanitzky, Grete von: Sprung übern Zaun : Roman / - Zürich: Morgarten-Verl., 1940
ÖNB 678728-B.Neu

Quellen und Sekundärliteratur

Huber, Ursula : Grete von Urbanitzky : ungeliebte Parteigängerin der Nationalsozialisten - In: L' homme , Nr. 1 , 1993 , 74-88
Online Zugriff / ÖNB 1349756-C.Neu-Per
Lehner, Michaela : Das Wort als Tat : Grete von Urbanitzky und Gertrud Fussenegger im Kontext
völkisch-nationaler und nationalsozialistischer Literatur
- In: "Kulturhauptstadt des Führers" : Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich ; ein Projekt der Oberösterreichischen Landesmuseen in Kooperation mit Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas ; [Ausstellung ... Schlossmuseum Linz von 17. September 20 / [hrsg. von Birgit Kirchmayr. Wiss. Mitarb. ... Arnold Klaffenböck ...] - Linz: Land Oberösterreich, Oberösterr. Landesmuseen, 2008 , 185-196
ÖNB AUT-ART41-OOE-02

Material in Archiven und Sammlungen

  • WBR/HS, Nachlass Grete von Urbanitzky, ZPH 672
  • Pressestimmen - In: WBR/TBA, Dokumentation, TP-053540
  • WBR/MUS, Musikalischer Splitternachlass Grete von Urbanitzky

Links